Fr, 17. August 2018

Rascher Nachweis

31.07.2018 09:33

Bluttest für Gehirnerschütterungen entwickelt

Schweizer Wissenschaftler haben einen Bluttest entwickelt, der den raschen Nachweis einer Gehirnerschütterung ermöglicht. Ein einziger Tropfen Blut reiche aus, um binnen zehn Minuten ein mildes Schädel-Hirn-Trauma zu diagnostizieren, teilte die Universität Genf am Montag mit. Vor allem Sportler sollen von der Erfindung profitieren.

Entwickelt wurde der von einem Schwangerschaftstest inspirierte Schnelltest von Jean-Charles Sanchez vom Departement für Medizin an der Universität Genf zusammen mit spanischen Kollegen. Man machte sich dabei die Tatsache zunutze, dass die Konzentration gewisser Proteine im Blut nach einer milden Gehirnverletzung zunimmt.

Denn werden bei einem Schlag auf den Kopf Gehirnzellen beschädigt, setzen diese Proteine frei. Die Wissenschaftler verglichen die Proteinwerte im Blut von Patienten, die sich wegen milder Schädel-Hirn-Traumata in Spitalpflege begaben. Bei einigen der Betroffenen fiel die Computertomografie-Untersuchung (CT) negativ aus, bei anderen Patienten bestätigte sich hingegen der Verdacht auf ein Schädel-Hirn-Trauma.

Protein lässt auf Risiko schließen
Die beiden Gruppen unterschieden sich in ihren Blutwerten, wie die Forscher im Fachjournal „PLOS One“ berichten. Sie konnten vier Moleküle (H-FABP, Interleukin-10, S100B und GFAP) identifizieren, die eine Gehirnverletzung anzeigten. „Wir stellten fest, dass alleine der H-FABP-Wert es ermöglicht, bei einem Drittel der Patienten zu bestätigen, dass bei ihnen kein Risiko für ein Trauma vorliegt“, wird Sanchez zitiert.

Für Betroffene bedeutet dies: Erscheint auf dem Test namens TBIcheck nach zehn Minuten eine Linie, muss die betroffene Person ein Spital aufsuchen, um die Art der Gehirnverletzung per CT zu abzuklären. Bleibt das Testfeld leer, kann der Patient unbesorgt nach Hause gehen. Langwierige Abklärungen im Spital sowie die Strahlendosis der CT bleiben ihm erspart. Zudem dürfte der Test die Kosten im Gesundheitswesen senken.

Test soll ab 2019 vermarktet werden
Die Entwicklung eröffnet laut Sanchez neue Möglichkeiten für schnelle Checks nach einem Unfall, etwa bei einem Boxkampf oder einem Fußballspiel. Dort könnte das Testergebnis darüber entscheiden, ob ein Spieler gefahrlos weitermachen kann. Aber auch in abgelegenen Regionen, etwa nach einem Kletterunfall, könnte der Test, der ab 2019 via Start-up-Unternehmen vermarktet wird, beispielsweise in einer Hausarztpraxis zum Einsatz kommen.

Die Forschergruppe arbeitet bereits an einer Verbesserung des Tests, indem sie die H-FABP- und die GFAP-Werte kombiniert. Dies dürfte es erlauben, der Hälfte der Betroffenen mit Verdacht auf Gehirnverletzung Entwarnung zu geben.

Jedes Jahr werden drei Millionen Menschen in Europa mit Symptomen eines leichten Schädel-Hirn-Traumas in Spitäler eingewiesen. Sie leiden etwa unter Sehstörungen, Erbrechen oder vorübergehender Ohnmacht. Nur bei zehn Prozent von ihnen bestätigt sich allerdings nach der CT-Untersuchung der Verdacht.

 krone.at
krone.at

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen
Seien Sie live dabei!
Ganz Linz feiert mit der „Krone“
Oberösterreich
Nach Hinspiel-Pleite
4:0! Rapid wendet Aus in der Euro-League-Quali ab
Fußball International
Europa-League-Quali
Irre Wende! Neun-Tore-Wahnsinn in St. Petersburg
Fußball International
Unglückliches Aus
Last-Minute-Schock! LASK verpasst Sensation
Fußball International
Locker weiter
Sabitzer trifft bei Leipzig-Remis in EL-Quali
Fußball International
Fußmarsch zum Stadion
Bratislava-Fans stoppen U-Bahn vor Rapid-Match
Fußball International
Eklat in Linz
Besiktas-Fans randalieren! Polizei stürmt Tribüne
Fußball International

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.