„Katerstimmung“

Größter Cannabis-Bauer kehrt Österreich den Rücken

Österreich
10.06.2018 13:11

Österreichs größter legaler Cannabis-Produzent verlässt das Land. „Flowery Field“-Chef Alexander Kristen zieht mit seinem Betrieb nach Italien um. Begründung: In Österreich sei beim Thema Hanf der Rückwärtsgang eingelegt worden, während Staaten wie Kanada Marihuana gänzlich freigeben oder als Medizin in Apotheken verkaufen, wie etwa in Deutschland.

„Wir wollten wachsen. In Österreich war das leider nicht möglich“, zitiert die Zeitung „Presse am Sonntag“ Kristen. Mit seinen Geschäften - jede Woche wurden rund 25.000 Hanfstecklinge verkauft - wandelte Kristen laut dem Bericht stets am Rande des juristischen Graubereichs. Der Besitz von Cannabispflanzen ist in Österreich erlaubt, solange sie nicht blühen. In der Blüte wird der psychoaktive Stoff THC entwickelt. Dass viele Hobbygärnter deswegen Stecklinge kaufen, sei ein offenes Geheimnis, schreibt das Blatt.

(Bild: APA/GREEN ROCKET)

Hanf-Steuern sind ertragreiche Geldquelle
Getragen vom globalen Boom war die Cannabisbranche in Österreich zuletzt dem Zeitungsbericht zufolge im Aufwind. Binnen zwei Jahren hat sich die Zahl der einschlägigen Growshops fast verdreifacht. Eine ganze Branche ist in Lauerstellung, wartet auf die weitere Liberalisierung und das große Geschäft. Vorbilder gibt es genug: So nehmen einige US-Bundesstaaten mittlerweile mehr mit der Besteuerung von Hanf ein als mit Steuern auf Alkohol.

„Katerstimmung“
Der Regierungswechsel von Rot-Schwarz zu Türkis-Blau sorgt laut dem Bericht für eine „Katerstimmung“ bei den heimischen Hanfbauern. Schließlich steht im Regierungsprogramm, dass der Verkauf von Hanfsamen und -stecklingen verboten werden soll. Offen ist, ob auch das „Light Gras“ betroffen sein soll. Laut der Zeitung steht fest, dass eine Millionenbranche vor dem Aus stehe, wenn die Regierung ihr Verbotsvorhaben umsetze.

(Bild: Fotomontage/ Andi Schiel, thinkstockphotos.de)

Stromrechnung „einer Kleinstadt“
Zu seinem Auszug in die Toskana sagt der Hanf-Händler aber, dass dieser nicht nur dem möglichen Verbot geschuldet sei. Es gehe ihm um eine nachhaltigere Produktion. Hatte er im Wiener Umland eine Stromrechnung „einer Kleinstadt“, so braucht er in der Toskana in Pietresanta in der Provinz Lucca höchstens im Winter elektrische Lampen. Zudem ist Italien beim Hanf liberaler als Österreich.

Ein Verbot hierzulande wäre zudem nicht rasch umsetzbar, schreibt Verfassungsjurist Daniel Ennöckl in einem Gutachten. Vier bis fünf Jahre Übergangsfrist müsste die Regierung den Unternehmen wohl mindestens einräumen.

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