Brauchtum:

Ratschen ersetzen die verreisten Kirchenglocken!

Ab Karfreitag sind die Ratschenkinder wieder unterwegs. Lautstark verkünden sie anstelle der Kirchenglocken die volle Stunde. Die Glocken sind nämlich der Sage nach derzeit in Rom, um Kraft zu tanken, mit dem Papst zu speisen, auszuspannen - es gibt mehrere Legenden. Vor allem in Ebensee halten Kinder das Ratschen hoch!

Klappern, bumpern, klacheln, klempeln oder schlicht ratschen - ab dem Karfreitag ziehen wieder die Kinder durch die Straßen oder stehen hoch oben am Kirchturm der Gemeinden, um anstatt der Glocken die volle Stunde lautstark mit dem Rattern ihrer Hölzer zu verkünden. Dem Volksglauben nach müssen die Ratschen nämlich die Glocken ersetzen, die symbolisch am Gründonnerstag „nach Rom fliegen“ und erst in der Osternacht wieder lautstark zurückkehren.

Das Salzkammergut gilt als Hochburg
In vielen Orten in Vergessenheit geraten, lebt man im Salzkammergut und besonders in Ebensee diesen alten Brauch noch besonders. Kein Wunder, dass sich hier auch viele Künstler des Themas annehmen. So etwa Erika Fellner, die Miniatur-Ratscherbuben aus Ton geschaffen hat - als Hommage an diesen schönen Brauch. Eine besonders akribische Arbeit hat sich auch Schnitzer Paul Kern angetan. Er hat klitzekleine Ratschenkinder aus Holz erschaffen.

Kleinste und größte Ratschen
Ganz im Gegenteil zu Ratschenbauer Josef Preimesberger, der mit seiner in diesem Jahr vollendeten Kirchturmratsche die größte Ratsche Österreichs geschaffen hat. Er überbietet damit die bislang größte Ratsche des Wiener Zimmermeisters Carl Heichlinger aus dem Jahr 1901 mit den Maßen 181 mal 69 mal 32 Zentimeter. Damit geht der als „Ratschendoktor“ bekannte Josef Preimesberger einmal mehr in die Ebenseer Geschichte ein.

Sabine Kronberger/Kronen Zeitung

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