25.10.2009 11:31 |

Schlimmes Martyrium

Tirolerin in Palm Beach von Familie zu Tode gequält

Je fünf Jahre Haft: So lautet das Urteil im Prozess gegen eine Deutsche (53) und deren Mann (50), das ein Geschworenengericht in Palm Beach in den USA gefällt hat. Für das Quälen einer hilflosen Person. Die beiden hatten die schwer kranke Mutter Elly Lorey (89) der Frau, die seit 1968 in Leutasch im Bezirk Innsbruck Land lebte, verhungern und verdursten lassen.

Das Paar hatte die alte Frau 2004 mit nach Puerto Rico und von dort nach Palm Beach genommen. Kerstin und Toby F. hatten mit Elly zuvor ebenfalls lange in Leutasch gelebt.

In Palm Beach bewohnte die Familie mit ihrem 22-jährigen Sohn eine luxuriöse Villa. Im August 2006 wurden die beiden Wahl-Tiroler - sie arbeitete als Schiffsmaklerin, er als Tennislehrer - plötzlich verhaftet.

Frau verhungern und verdursten lassen
Der Staatsanwalt in Palm Beach warf dem Paar vor, sie hätten die alzheimerkranke Mutter, die in Palm Beach verstarb, in einem heißen, verdunkelten und stinkenden "Saustall" verhungern und verdursten lassen. Die alte Frau wäre zeitweise sogar an einen Stuhl gefesselt worden. Für ärztliche Hilfe hätten die Angeklagten nie gesorgt. Weil der Mann versucht hatte, den Leichnam ohne Prüfung durch den Gerichtsmediziner gleich einäschern zu lassen, standen sie unter Mordverdacht.

Todesstrafe wäre möglich gewesen
Lebenslange Haft, theoretisch sogar die Todesstrafe, hätte beiden bei einer Verurteilung wegen Mordes gedroht. Der Verteidiger räumte dem Paar jedoch ein "Pflege-Burn-Out" ein. Beide Angeklagten versicherten, sie hätten stets ihr Bestes gegeben.

Die Geschworenen glaubten nicht an einen geplanten Mord. Eine Verurteilung wegen Vernachlässigung und Misshandlung einer hilflosen Person blieb den beiden Wahl-Tirolern aber nicht erspart. Dafür verhängte der Richter je fünf Jahre Haft. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

von Hans Licha, Kronen Zeitung

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