24.10.2009 18:11 |

"Krone"-Reportage

Jugend hinter Gittern - Besuch in der Justizanstalt

Bunte Wände, ein Fernsehgerät, viele Poster und ein Kühlschrank - so sieht in der Justizanstalt Klagenfurt eine Zelle von Innen aus. Eine Welt - abgeschottet vom Alltag draußen und junge Menschen - abgestempelt, weil sie durch irgendeinen Grund straffällig wurden. Die "Krone" hat einen Blick hinter die dicken Gefängnismauern gewagt - eine Reportage von Christian Rosenzopf.

Klick, Klick! Anstaltsleiter Peter Bevc öffnet die Türe zur Jugendabteilung: Die Wände im großen Gang vor den Haftzellen erstrahlen in gelben und orangen Farben und sind mit bunten Zeichnungen verziert. Untertags ist alles mit Leben erfüllt. Erst gegen 20 Uhr werden die Türen der Haftzellen bis zum nächsten Morgen geschlossen.

Die (derzeit) zehn Insassen zwischen 14 und 18 durften sich die Zellen sogar selbst einrichten: So prägen Vorhänge, Fernseher, Stereoanlagen, Wandposter und Kühlschränke das Bild – wie in "normalen‘‘ Jugendzimmern. Erst der Blick auf die Gitterstäbe in den Fenstern zeugt von der Realität. Anstaltsleiter Bevc: „Die größte Strafe ist der Entzug der Freiheit. Ansonsten bieten wir den Jugendlichen hier in der Justizanstalt Klagenfurt viele Möglichkeiten, sich zu entfalten.“ Kochen, Billard, Tischfußball, Fernsehen – das bietet der Freizeitraum. Übrigens: Mädchen ist hier schon lange keines mehr eingesessen.

Lehre und Schulabschluss
Großer Wert wird freilich auf die Ausbildung gelegt. In einer eigenen Berufsschulklasse erlernen die Burschen zahlreiche Berufe – vom Tischler, Schlosser, Automechaniker, Koch, Maler, Buchbinder bis hin zum Holzschnitzer. Auch der Pflichtschul-Abschluss kann hier nachgeholt werden. Bevc: „Das Wichtigste ist es, den Jugendlichen eine Struktur im Alltag zu geben – das fehlt ihnen oft in der Freiheit.“

Im Rahmen der Peer-Education (Anti-Gewalt-Ausbildung) setzen sich die „Kids‘‘ mit ihrer Tat auseinander. Dabei erzählen sie einander von ihren Erfahrungen und Erlebnissen und diskutieren darüber. Bevc: „Dieses Programm wird stark angenommen.‘‘

Der 16-jährige Benjamin (Name von der Redaktion geändert, Anm.) nützt die Zeit hinter Gittern für einen Neustart. Wegen mehrerer Einbruchsdelikte sitzt der freundlich wirkende Bursche noch bis September 2010 im Knast. „Falsche Freunde haben mich so weit gebracht“, seufzt er. „Aber mit diesen Leuten will ich nichts mehr zu tun haben – jeder wird gescheiter“, lächelt er, als wäre nie etwas gewesen. Die Gefängnis-Bediensteten sind über seine Entwicklung voll des Lobes – jetzt kümmert er sich sogar um die Reinigung des Trakts und die Essensausgabe in der Abteilung.

Vernissage hinter Gittern
Großen Anklang finden interaktive Aktionen wie ein Maler-Workshop: So lud die Justizanstalt kürzlich sogar zu einer Vernissage mit insgesamt 99 Exponaten von Jugendlichen und Frauen. Dabei griffen vor allem die Bediensteten zu – und in die eigene Tasche. Der Reinerlös kam schließlich der Kinderkrebshilfe zugute! Bevc schmunzelt: „Eine schöne Aktion. Es gab ein richtiges G’riss um die Bilder.“

Besonders emotional seien Begegnungen mit Angehörigen – etwa zur Weihnachtszeit. Im Gespräch zwischen Eltern und Jugendlichen werde oft vieles sichtbar. Wobei Bevc hinzufügt: „Dass jemand nach der Haft straffrei bleibt, ist eine Vision. Aber es ist schon ein Erfolg, aus einem Räuber einen Hendldieb zu machen.“

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