Schiefe Optik

Deutsche Regierung dementiert "Zwei-Klassen-Impfung"

Ausland
19.10.2009 09:15
In der Debatte um einen anderen Neue-Grippe-Impfstoff für deutsche Regierungsmitglieder hat das Innenministerium unter Minister Wolfgang Schäuble (CDU, Bild) am Montag die harsche Kritik zurückgewiesen. Es gebe keine "Zwei-Klassen-Impfung", das Beschaffungsamt des Innenministeriums habe mit dem Hersteller Baxter schon vor vielen Monaten einen Vertrag abgeschlossen, den man einhalten müsse. Zum damaligen Zeitpunkt sei von Unterschieden der beiden Stoffe noch keine Rede gewesen.

Mitglieder der Regierung und der Bundesbehörden sowie Bundeswehrsoldaten sollen mit einem anderen Impfstoff gegen die Schweinegrippe geschützt werden als der Großteil der Bevölkerung (siehe Infobox).

Das Innenministerium hat bestätigt, dass für die Regierung und nachgeordnete Bundesbehörden 200.000 Dosen eines Impfstoffs ohne sogenannte Wirkverstärker vom US-Hersteller Baxter International bestellt wurden. Dieser Impfstoff hat Experten zufolge weniger Nebenwirkungen, allerdings ist er weniger erprobt als das Konkurrenzprodukt vom Pharmahersteller GlaxoSmithKline. Von diesem Mittel sollen ab kommender Woche 50 Millionen Dosen in Deutschland bereitstehen.

"Das zeugt von wenig Fingerspitzengefühl"
Indes reist die Kritik an der geplanten Impfpraxis nicht ab. Die Präsidentin des Sozialverbandes VdK, Ulrike Mascher, sagte am Montag, zweierlei Impfstoffe für Regierung und Bevölkerung seien das falsche Signal. "Da verstärkt sich bei vielen Menschen der Eindruck, sie seien Patienten zweiter Klasse. Das zeugt von wenig Fingerspitzengefühl."

Ähnlich äußerte sich die Grünen-Gesundheitsexpertin Biggi Bender: "Großes Risiko fürs Volk, kleines Risiko für die Regierung. Diese Art von Zweiklassenmedizin darf es in einer Demokratie nicht geben."

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