So, 21. Oktober 2018

NS-Machtergreifung:

10.03.2018 09:00

Die schicksalshaften März-Tage des Jahres 1938

Adolf Hitler bestimmte vor 80 Jahren in Linz das Schicksal Österreichs: Der euphorisch begrüßte „Führer“ diktierte in seiner „Patenstadt“ den „Anschluss“ ans Deutsche Reich. . .

11. März 1938
Das Unheil nimmt seinen Lauf. Erste Hakenkreuzfahnen werden auf der Linzer Landstraße gehisst, der abendliche Fackelzug der Nationalsozialisten artet am Hauptplatz in eine Freudenkundgebung für die angekündigte Wiedervereinigung mit dem „Deutschen Reich“ aus. Und schon am Abend vor dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht ergreifen die Nazis die Macht – Gauleiter August Eigruber löst Landeshauptmann Heinrich Gleißner ab und Wilhelm Bock muss den Linzer Bürgermeistersessel für Sepp Wolkerstorfer räumen.

12. März 1938
Der Tag des „Anschlusses“: In den Morgenstunden marschieren Einheiten der Deutschen Wehrmacht im Innviertel ein. „Die Okkupation verlief teilweise chaotisch –  einigen Fahrzeugen ging schlicht und einfach der Treibstoff aus“, schildert Historiker Dr. Josef Goldberger vom OÖ. Landesarchiv.

„Adolf-Hitler-Platz“ 
Am Weg nach Linz gab’s allerorts einen triumphalen Empfang für Adolf Hitler. In der Landeshauptstadt trifft der „Führer“ gegen 20 Uhr ein, über 100.000 Oberösterreicher begrüßen ihn am Hauptplatz begeistert. Vom Rathaus-Balkon verkündet Hitler voller Pathos die berühmt gewordenen Sätze: „Wenn die Vorsehung mich einst aus dieser Stadt zur Führung des Reiches berief, dann muss sie mir doch auch den Auftrag gegeben haben, meine teure Heimat dem Deutschen Reiche wiederzugeben“. In der Euphorie wird der Hauptplatz in Adolf-Hitler-Platz unbenannt

13. März 1938
Hitler lässt in seinem Hauptquartier, dem Hotel Weinzinger an der Donaulände, das „Anschlussgesetz“ verfassen.  Für den „totalen Anschluss“ habe sich Hitler erst in Linz angesichts der Begeisterung der Menschen entschieden, betont Landesarchiv-Historiker Josef Goldberger.

Große NS-Pläne für Linz
„36 Stunden machte Hitler in Linz große Politik“, so Dr. Walter Schuster, Leiter des Archivs der Stadt Linz. Die Propaganda versprach vieles und hielt beim Bau der Hermann Göring-Werke, dem Vorgänger der voestalpine, und der Linzer Nibelungenbrücke auch Wort.
Wohin der so enthusiastisch gefeierte „Anschluss“ letztlich führte, ist traurige Geschichte – in den Zweiten Weltkrieg mit 70 Millionen Toten und einem Meer von Blut, Leid und Tränen

Brutale Macht
Der Landeshauptmann und der Linzer Bürgermeister kamen nach ihrer Absetzung ins KZ, vier Polizisten wurden kaltblütig ermordet.
Mit ihren Gegnern machten die Nationalsozialisten nach ihrer Machtergreifung kurzen Prozess. Landeshauptmann Heinrich Gleißner und der Linzer Bürgermeister Wilhelm Bock, später Ordenspriester, kamen nach ihrer Verhaftung in das Konzentrationslager Dachau.

Ermordete Polizisten
Unter den ersten Toten waren vier Linzer Polizeibeamte: Polizeidirektor Viktor Bentz, Kommissär   Ludwig Bernegger und die Inspektoren Josef Schmirl und Josef Feldmann wurden kaltblütig ermordet. Der von der SS verhaftete Polizeidirektor Bentz wurde in einem Wald bei Gallneukirchen „auf der Flucht“ erschossen – so die offizielle Version.
Dem Polizeikommissär Ludwig Bernegger glückte aus seiner Wohnung kurz die Flucht, vor den Augen seiner Frau wurde er auf offener Straße angeschossen und vor der Kirche des Linzer Priesterseminars von der Gestapo brutalst zu Tode getreten.

Max Stöger, Kronen Zeitung

 krone.at
krone.at

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.