37 Menschen gerettet

Fall Cap Anamur: Alle Angeklagten freigesprochen

Ausland
07.10.2009 14:11
Das Strafgericht von Agrigent auf Sizilien hat den Ex-Chef der Hilfsorganisation Cap Anamur, Elias Bierdel, sowie Kapitän Stefan Schmidt und den russischen Offizier Wladimir Dschkewitsch am Mittwoch freigesprochen. Den Angeklagten war Beihilfe zur illegalen Einwanderung vorgeworfen worden. Konkret ging es um eine Rettungsaktion, bei der 37 afrikanische Flüchtlinge im Juni 2004 nach Italien gelangten.

Die Staatsanwaltschaft beantragte je vier Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe von 400.000 Euro für Bierdel und Schmidt. Für Dschkewitsch war der Freispruch beantragt worden. Bierdels Vorgehen war auch innerhalb seiner Organisation umstritten. Im Oktober 2004 wurde er als Vorsitzender abgewählt, der Prozess gegen ihn begann dann im November 2006 und dauerte somit fast drei Jahre.

Wochenlanges Hin und Her
Das Flüchtlingsdrama vor der sizilianischen Küste hatte im Sommer 2004 für Aufsehen gesorgt: Das Schiff von Cap Anamur hatte 37 in Seenot geratene afrikanische Flüchtlinge an Bord genommen. Italien verwehrte dem Schiff wochenlang die Einfahrt in einen Hafen, schließlich durften die Flüchtlinge dann doch an Land gehen.

Erleichterung bei Cap Anamur
Cap Anamur reagierte mit großer Erleichterung auf den Freispruch ihres früheren Vorsitzenden. "Der Freispruch ist das folgerichtige Urteil eines fragwürdigen Strafprozesses. Denn die Rettung von Menschenleben darf nicht juristisch geahndet werden", erklärte die Vorsitzende der Organisation, Edith Fischnaller, am Mittwoch in Köln. "Selbst der Staatsanwalt musste in seinem Plädoyer anerkennen, dass die 37 Menschen ohne das schnelle und beherzte Eingreifen der Cap-Anamur-Crew ertrunken wären." Zivilcourage dürfe nicht bestraft werden.

"Erfolg für die Menschlichkeit"
"Es ist ein wichtiger Tag für die humanitäre Arbeit und ein Erfolg für die Menschlichkeit. Rettung ohne Wenn und Aber in größter Not ist ein unumstößlicher Grundsatz von Cap Anamur. Wir werden da weiter machen, wo immer unsere Hilfe benötigt wird und Leben retten", so Fischnaller.

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