So, 24. Juni 2018

Droht mit Angriff

18.02.2018 18:08

Israels Premier: „Erkennen Sie das? Sollten Sie“

Der Auftritt des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu wird in die Geschichte der Münchener Sicherheitskonferenz eingehen. "Erkennen Sie das?", fragte er den zuhörenden iranischen Außenminister Mohammad Javad Zarif und hielt ein Stück Metall in die Höhe. Es handelte sich nach seinen Worten um einen Teil einer iranischen Drohne, die über israelischem Staatsgebiet abgefangen wurde. "Sie sollten es erkennen", fügte der Israeli hinzu: "Es gehört Ihnen." Dem Iran drohte Netanyahu mit einem Angriff.

Der Angesprochene ignorierte Netanyahus Attacke weitgehend. Das Publikum der Sicherheitskonferenz verdiene keine solchen "cartoonähnlichen Vorführungen", lächelte Außenminister Zarif. Am Rande der Konferenz bestritten die Iraner erneut, Drohnen über israelisches Staatsgebiet geschickt zu haben.

"Iran exportiert den Terrorismus in alle Welt"
Zarif machte sich für eine "neue frische Sicherheitsarchitektur" stark: "Was wir nicht wollen, ist einen Hegemon." Damit war Erzfeind Saudi-Arabien gemeint. Israel versuche, die Verantwortung für die eigene "verbrecherische Politik" abzuschieben. Nach Zarif beschuldigte der saudi-arabische Außenminister Adel bin Ahmed al-Jubeir den Iran in seltener Einmütigkeit mit Israel, den Terrorismus in alle Welt zu exportieren: "Der Iran muss verstehen, warum er mit Sanktionen belegt wird."

Zarif laut Netanyahu "sehr diplomatisch, aber er lügt"
Zarif sei sehr gewandt und diplomatisch, hatte Netanyahu zuvor gepoltert: "Aber er lügt."
Man versuche, "Hysterie über die iranische Außenpolitik" zu befeuern, behauptete der Iraner Zarif. Immerhin habe sein Land den irakischen Diktator Saddam Hussein bekämpft, auch die Taliban, Al-Kaida und den IS: "Wir standen auf der richtigen Seite der Geschichte."

Gegenseitige Vorwürfe und Unversöhnlichkeiten
Netanyahus Auftritt am Sonntag war so etwas wie ein Höhepunkt an gegenseitigen Vorwürfe und Unversöhnlichkeiten, welche in diesem Jahr die 54. Münchner Sicherheitskonferenz prägten wie wohl keine der Vorgängerveranstaltungen. Getragen von einer bewusst pro-israelischen Politik der amerikanischen Trump-Administration verwendete Netanyahu fast seine ganze Redezeit dazu, den Iran als Reich des Bösen darzustellen. Er ging sogar so weit, die Regierung in Teheran mit Nazideutschland zu vergleichen. So wie das Münchener Abkommen von 1938 zum Zweiten Weltkrieg geführt habe, werde auch eine Beschwichtigung des Mullah-Regimes zu Krieg und Zerstörung führen.

"Israel bereit, den Iran selbst anzugreifen"
Der Iran überschreite "rote Linien", sagte Netanyahu und drohte: "Wenn notwendig, werden wir auch gegen den Iran selbst tätig werden". In spätestens zehn Jahren werde das Land mit Nuklearwaffen nicht nur jeden Punkt Israels, sondern auch anderer Länder erreichen. Das werde Israel nicht zulassen. "Testen Sie nicht unsere Entschlossenheit", warnte Netanyahu Außenminister Zarif. Der Premier erinnerte an den Spruch "unserer alten Zionisten: Böse Dinge im Keim ersticken".

Zarif: Israel und USA suchen Schuld für falsche Entscheidungen beim Iran
Wenig später trat der iranische Außenminister Zarif ans Rednerpult und bezeichnete Netanjahus Rede als "Zirkus", der keine Antwort verdiene. Für die akutellen Konflikte im Nahen Osten sei nicht sein Land verantwortlich, sondern Israel und die Vereinigten Staaten. Diese würden nun versuchen, die Schuld für ihre eigenen "falschen Entscheidungen" dem Iran unterzuschieben.

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