03.10.2009 21:49 |

Fall "Kassandra"

Fall "Kassandra": Verdächtiger (14) streitet alles ab

Knapp drei Wochen nach dem brutalen Verbrechen an der neunjährigen Kassandra aus Velbert in Deutschland hat die Polizei einen 14 Jahre alten Jugendlichen als Tatverdächtigen festgenommen. Ihm wird vorgeworfen, das Kind zunächst schwer verletzt und dann in einen Kanalschacht (Bild) geworfen zu haben. Der Jugendliche habe allerdings nicht gestanden, sagte der Leiter der Mordkommission, Wolfgang Siegmund, am Samstag in Mettmann.

Der Jugendliche sei seit seiner Kindheit verhaltensauffällig und besuche eine Förderschule für soziale und emotionale Entwicklung. Kassandra kenne er aus dem Jugendtreff, das sie kurz vor ihrem Verschwinden besucht habe. Er wurde bereits am Freitagabend festgenommen. Das Landeskriminalamt hatte bei der Untersuchung eines von der Polizei nicht näher benannten "Tatmittels" und der in Tatortnähe entdeckten Jacke Kassandras Faserspuren seiner Kleidung gefunden. Dies habe zu einem dringenden Tatverdacht geführt. Gegen den 14-Jährigen erging laut Staatsanwalt Rüdiger Ihl Haftbefehl wegen des Verdachts auf versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung.

Möglicherweise keine rechtliche Handhabe gegen Täter
Ob der Verdächtige aber wegen seines Alters strafrechtlich überhaupt verantwortlich gemacht werden kann, ist nach Aussage der Ermittler noch unklar. Psychiatrische Untersuchungen sollen diese Frage nun klären.

Der Jugendliche war Siegmund zufolge schon früher ins Visier der Ermittler geraten und am Tag nach dem Auffinden Kassandras erstmals vernommen worden - damals als Zeuge, weil es keine konkreteren Hinweise gab. Am 22. September wurde er dann als Beschuldigter befragt: Zeugen hatten einen Burschen, dessen Beschreibung "absolut" auf den 14-Jährigen zutraf, am Tatort beobachtet und ihn später mit einem Fahrrad flüchten sehen.

Bei der Vernehmung "ohne emotionale Regungen"
Der Verdächtige hatte die Tat bei allen Befragungen abgestritten und dabei ungewöhnlich gefühllos gewirkt: "Er zeigte sich völlig gelassen, abgeklärt und ohne emotionale Regungen", sagte Siegmund. "Das ist schon bemerkenswert für einen 14-Jährigen." Er habe auf alle Fragen Antworten gehabt, sich dabei aber auch in Widersprüche verstrickt. Man habe ihn nicht früher festnehmen können - erst nach dem Auffinden der Faserspuren habe dringender Tatverdacht bestanden.

14-Jähriger ist polizeibekannt
Der Polizeihauptkommissar beschrieb den Verdächtigen als offenbar normal intelligent. Er sei nicht lernbehindert. Seine Familienverhältnisse sind den Angaben zufolge unauffällig, die Eltern zeigten sich "geschockt" über die Festnahme. Gegen ihn läuft derzeit auch wegen eines anderen Körperverletzungsdeliktes ein Ermittlungsverfahren, zwei weitere Verfahren wegen Beleidigung und Sachbeschädigung seien bereits eingestellt worden.

Hausverbot in Kassandras Jugendtreff
Der Jugendliche hatte laut Polizei Hausverbot in dem Jugendtreff, aus dem er Kassandra kannte. Dort durfte er sich nachmittags in der Gruppenzeit für jüngere Kinder nicht aufhalten, weil er diese wiederholt geärgert und provoziert habe. Andere Eltern hätten sich über den 14-Jährigen beschwert. Dennoch sei er des Öfteren auch nachmittags unter Vorwänden in dem Treff aufgetaucht. Zum mögliches Motiv des Verdächtigen haben die Ermittler noch keinerlei Erkenntnisse.

Das Verbrechen Mitte September hatte Entsetzen ausgelöst und die Polizei vor ein Rätsel gestellt. Die Neunjährige war im Velberter Stadtteil Neviges fast zu Tode geprügelt und in einen Kanalschacht geworfen worden, der anschließend mit einem Deckel verschlossen wurde. Suchhunde hatten das Kind in der Nacht während starker Regenfälle entdeckt. Laut Polizei wäre es gestorben, wenn es nicht gefunden worden wäre. Das Mädchen erlitt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma und zahlreiche innere Verletzungen.

Kassandra befindet sich laut Polizei weiter auf dem Weg der Besserung, kann aber nach wie vor nicht vernommen werden. "Wir sind aber guter Hoffnung, dass wir bald mit Kassandra reden können", sagte Siegmund. Sie werde vermutlich keine bleibenden körperlichen Schäden davontragen.

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