Tausch mit Hamas
Israel entlässt für Shalit-Video 19 Frauen aus Haft
Der Deal wird international als Durchbruch zu einem breiter angelegten Gefangenenaustausch zwischen Israel und der Hamas beurteilt. Deutsche und ägyptische Vermittler hatten den Austausch eingefädelt, der am Freitag an zwei Grenzübergängen zum Gazastreifen bzw. dem Westjordanland durchgeführt wurde.
Video zeigt guten Gesundheitszustand
Die palästinensischen Frauen wurden zunächst in Fahrzeugen des Internationalen Roten Kreuzes zu den Grenzübergängen gebracht (Foto). Nachdem das fast dreiminütige Video mit dem 23-jährigen Soldaten geprüft und für echt befunden worden war, gab Israel grünes Licht. Die zwischen 19 und 47 Jahre alten Frauen wurden bei ihrer Rückkehr in das Westjordanland und den Gazastreifen mit Jubel in Empfang genommen, während auf der anderen Seite Israelis Fahnen mit Shalits Konterfei hochhielten.
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und Shalits Eltern haben das Video bereits gesehen. Der vor mehr als drei Jahren entführte Israeli sei offenbar in einem guten Gesundheitszustand, hieß es. Als Beweis für die Aktualität der Aufnahme hielt Shalit in dem Video eine Zeitung vom 14. September in die Kamera.
"Ich warte schon so lange Zeit"
Das israelische Fernsehen zeigte das Video am Nachmittag: Shalit lächelt zu Beginn der 2:42 Minuten langen Aufzeichnung. Er sitzt in einer grünen Uniform vor grauem Hintergrund. Das Gesicht ist frisch rasiert. Die schwarzen kurzen Haare sind geschnitten.
"Heute ist Montag, der 14. September 2009, und ich halte in meiner Hand die Zeitung 'Filistin', die in Gaza erscheint", sagt der 23-Jährige weiter. "Ich warte schon lange Zeit auf den Tag, an dem ich freigelassen werde, und ich hoffe, dass die derzeitige Regierung unter Benjamin Netanyahu die Gelegenheit nicht vergeudet, eine Vereinbarung zu erreichen, in deren Folge sich am Ende mein Traum erfüllt und ich frei werde", sagte Shalit.
Er erinnert seinen Vater dann an einen Besuch auf der Militärbasis vom 31. Dezember 2005. Der Soldat grüßt seine Eltern und sagt, dass er sie liebe und vermisse. "Ich wünsche mir so sehr, sie wieder zu sehen". "Vielen Dank und auf Wiedersehen", sagte er zum Abschluss. Dann steht er auf auf und läuft einige Schritte in Richtung Kamera als Zeichen dafür, dass er nicht verletzt ist.
Ein Soldat als Zankapfel zweier Völker
Der damalige Rekrut war im Juni 2006 bei einem Überfall militanter Palästinenser-Gruppen auf einen israelischen Posten an der Grenze zum Gazastreifen entführt worden. Die Beteiligung Deutschlands an den Vermittlungsbemühungen hatte Ägyptens Präsident Hosni Mubarak vor einigen Wochen öffentlich gemacht. Ende August berichtete der "Spiegel" über einen Vorschlag des deutschen Bundesnachrichtendienstes, der die Freilassung von 450 Palästinensern im Austausch für Shalit vorsehe. Ein deutscher Vermittler pendle auf Bitten Israels seit Mitte Juli zwischen den Konfliktparteien. Die deutsche Bundesregierung lehnte eine Stellungnahme seinerzeit ab.
Das Abkommen gilt als Test für einen größeren Gefangenenaustausch zwischen Israel und den Palästinensern. Für Shalit sollen hunderte in Israel inhaftierte Palästinenser freikommen. Eine Freilassung des Soldaten würde einen zentralen Streitpunkt im israelisch-palästinensischen Verhältnis beseitigen. Israelische Regierungsmitglieder haben erklärt, die Blockade des Gazastreifens werde erst dann beendet, wenn Shalit wieder zu Hause sei.












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