Spielerberater

Die Mächtigen hinter den Kulissen der Fußball-Welt

Sport
08.01.2018 15:48

Unsportlich, wohlgenährt, unscheinbar – nur der kugelrunde Bauch von Mino Raiola erinnert ein wenig an einen Fußball. Dabei ist der 50-jährige Italiener einer der mächtigsten Akteure im Geschäft mit dem runden Leder. Zlatan Ibrahimovic, Paul Pogba, Romelu Lukaku, Marco Verratti und viele weitere Top-Stars tanzen nach der Pfeife des Spielerberaters. Gerade in der derzeit laufenden Transferzeit. In der Raiola zig Millionen Euro auf sein Konto scheffelt. Alleine bei den Wechseln von Ibrahimovic, Pogba und Mkhitaryan kassierte er zuletzt 30 Millionen ein.

„Um ehrlich zu sein, ist mir Geld schon lange ziemlich egal“, posaunt Raiola daher verständlicherweise. Sein Ruf und seine Kontakte zu den Topadressen im europäischen Fußball bringen Starallüren mit sich: „Es ist der Spieler, der mich fragen muss, ob ich sein Agent sein will. Nicht umgekehrt.“

Mino Raiola (Bild: AFP)
Mino Raiola

Umkämpfter Markt
Dass in Österreichs Profiligen viele Spieler um den Kollektivvertrag von 1180 Euro spielen, ist angesichts der Millionengehälter prominenter Spielerberater grotesk und skurril. Daher ist es wohl überflüssig zu erwähnen, dass Raiola keinen Österreicher unter Vertrag hat.

Dafür gibt es kleinere Fische im Berater-Teich. Alleine in Österreich sind 64 Spielervermittler und -berater beim ÖFB gemeldet. In Deutschland wurden 795 Lizenzen verteilt. Bei 1540 Profispielern in den obersten drei Ligen. Der Markt ist hart. Und umkämpft. Daher wird oft zu unseriösen Mitteln gegriffen. Wie auch der Wiener Franz Herzog (Interview unten) von Global 11 weiß: „Überall, wo viel Geld möglich ist, tummeln sich schwarze Schafe.“ Wie auch Wr. Neustadts Sportchef Andreas Schicker weiß: „Von manchen Beratern hörst du nur, wenn der Vertrag ausläuft. Zu anderen baut man ein Vertrauensverhältnis über viele Jahre auf.“

Bis zu 15 E-Mails bekommt Schicker täglich mit Transferanfragen. „Ich kann sie gar nicht alle beantworten.“ Mit einer Ausnahme haben bei Wr. Neustadt alle Spieler einen Berater. „Ohne geht es kaum noch.“

Interview mit Spielerberater Franz Herzog von Global Sports

Krone: Der Spielerberater an sich genießt keinen guten Ruf. Woran liegt das?
Franz Herzog: Der Berater wird oft ins schlechte Licht gerückt. Ich höre aber nie konkrete Vorwürfe. Unser Job ist abwechslungsreich und energieraubend. Wie in meinem Beruf gibt es auch bei den Vereinen schwarze Schafe. Manchmal läufst du als Berater den Klubs wegen der Provision nach.

Wie sieht der Tagesablauf eines Spielerberaters aus? 
Man muss sein Netzwerk pflegen, Spieler und Vereinsvertreter treffen. Das bedeutet viele Kilometer auf der Straße und im Flugzeug. Das zeitintensive Scouting, also die Suche nach Talenten, darf freilich auch nicht fehlen.

Franz Herzog (li.) fädelte den Transfer von David Atanga nach St. Pölten ein. (Bild: Franz Herzog)
Franz Herzog (li.) fädelte den Transfer von David Atanga nach St. Pölten ein.

Vom Scouting bis zum Transfer ist es ein weiter Weg. In welcher Reihenfolge laufen die Schritte ab?
Es gibt zwei Wege. Entweder suchen wir für einen Spieler, der in unserer Beratungsfirma unter Vertrag ist, einen Verein. Oder ein Verein gibt uns ein Spielerprofil vor, das wir finden müssen. Dann werden die Details besprochen und der Deal über die Bühne gebracht.

Was macht einen guten Spielerberater aus?
Vor allem gute Kontakte. Uns ist es zudem wichtig, für die Spieler auch einen Plan B parat zu haben, wie zum Beispiel Trainerausbildungen oder Fernstudien. Denn nur drei Prozent aller Fußballprofis können bis ans Lebensende von ihren Einkünften während ihrer Laufbahn leben. Weil die Karrieren auch immer kürzer werden. 

Harald Dworak, Kronen Zeitung

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(Bild: KMM)



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