Di, 21. August 2018

Reaktor angeworfen

25.02.2009 15:07

Testlauf im ersten iranischen Atom-Reaktor

Russland und der Iran haben am Mittwoch in Bushehr am Persischen Golf einen Testlauf im ersten iranische Atomkraftwerk unternommen. Der Test in dem mit Moskauer Hilfe gebauten Kraftwerk wurde von dem Leiter des staatlichen russischen Atomkonzerns Rosatom, Sergej Kirijenko, und dem Chef des iranischen Atomprogramms, Gholamreza Aghazadeh, verfolgt und überwacht.

Es habe sich um einen sogenannten technischen Start der Anlage gehandelt, da der von Russland gelieferte Brennstoff noch von der Internationalen Atomenergiebehörde IAEO versiegelt ist. Dabei seien in den vergangenen zehn Tagen probeweise mit Blei gefüllte "Brennstäbe" eingesetzt worden, sagte ein Regierungsvertreter.

Sollten die Tests erfolgreich verlaufen, werde das Blei zukünftig durch angereichertes Uran ausgetauscht. Nach Angaben iranischer Medien sollten alle Aktivitäten in Bushehr am Mittwoch auch mit einer speziellen Computer-Software geprüft werden.

Reaktor soll in wenigen Monaten ans Netz
"Mit der Vollendung des Tests können wir nun von einer Fertigstellung des Reaktors sprechen und endlich allen politischen Spekulationen ein Ende setzen", erklärte Aghazadeh. Er nahm damit Bezug auf Gerüchte, Moskau hätte aus politischen Gründen dem Westen gegenüber die Fertigstellung des Kraftwerks, die sich in den vergangenen Jahren immer wieder verschoben hatte, absichtlich verzögert. Aghazadeh kündigte an, der Reaktor werde bereits in wenigen Monaten ans Netz gehen.

Israel fordert "sofortige und sehr bestimmte Schritte"
Israel hat besorgt auf den Testlaufs reagiert. "Das sollte als sehr schlechte Nachricht für die gesamte internationale Gemeinschaft verstanden werden," erklärte der Sprecher des israelischen Außenministeriums, Yigal Palmor. Er forderte "sofortige und sehr bestimmte Schritte", um den Iran davon abzuhalten eine Atommacht zu werden. Israel verdächtigt - genauso wie die USA - die Regierung in Teheran, den Bau von Atombomben anzustreben und hat angekündigt, keinesfalls einen nuklear bewaffneten Iran akzeptieren zu wollen. Eine militärische Option sei dabei nicht ausgeschlossen.

Am kommenden Montag tritt in Wien der Gouverneursrat der Internationalen Atomenergiebehörde zu einer Sitzung zusammen, bei der neben dem iranischen Atomprogramm auch die jüngsten Uranfunde in Syrien Thema sein werden. Des weiteren wird in geheimer Abstimmung ein Nachfolger für den scheidenden IAEO-Generaldirektors Mohamed El-Baradei bestimmt.

Jahrelanges Ringen um Atomprogramm
Der Iran plant den Bau mehrerer weiterer Atomkraftwerke, die 2021 ans Netz gehen sollen und hatte mit dieser Begründung damit begonnen, in Natans selbst Uran anzureichern. Vor allem der Westen verdächtigt die Regierung in Teheran hingegen, das Material zum Bau von Atombomben verwenden zu wollen. Er will den Iran daher zur Einstellung seines Urananreicherungsprogramm bringen. Der Weltsicherheitsrat hat Sanktionen gegen den Iran verhängt.

Die Planung für den Bushehr-Reaktor begann bereits vor mehr als drei Jahrzehnten: Shah Mohammed Reza Pahlevi erteilte den Auftrag zum Bau eines Atomkraftwerks mit zwei 1200-Megawatt-Reaktoren in den 70er Jahren dem deutschen Siemens-Konzern. Doch mit der Islamischen Revolution 1979 und dem darauffolgenden Krieg zwischen dem Iran und dem Irak (1980 bis 1988) verfolgte Teheran das Projekt vorerst nicht weiter.

Erst nach dem Tod des Ayatollah Khomeini 1989 wandte sich die iranische Führung, die inzwischen die Unterstützung des Westens verloren hatte, wieder dem Großprojekt zu. Doch die Suche nach Partnern war Anfang der 90er Jahre schwierig. Die Deutschen lehnten jetzt ab, schließlich erklärte sich 1994 Russland bereit, die Anlage fertigzustellen. Nach langen Verhandlungen unterzeichneten Teheran und Moskau im Jänner 1995 einen Vertrag über eine Milliarde Dollar für die Wiederaufnahme der Bauarbeiten.

Das Projekt sah jetzt nur noch einen Druckwasserreaktor mit einer Stärke von 1000 Megawatt vor. Für dessen Betrieb ist angereichertes Uran nötig, das - in hochangereicherter Form - auch zum Bau von Atomwaffen verwendet wird. Gemäß Vertrag soll Russland den nuklearen Brennstoff für die Anlage liefern und der Iran das gebrauchte Material nach Russland zurückschicken.

Verzögerung durch Russland
Insgesamt waren mehr als 2000 russische Ingenieure und Arbeiter in Bushehr im Einsatz. Die Bauarbeiten sollten höchstens fünf Jahre dauern, doch es kam immer wieder zu Verzögerungen. Ein Problem war die Anpassung der deutschen Technik an russische Standards. Russlands damaliger Präsident Wladimir Putin machte für die Verzögerungen in erster Linie die naturgemäß "veraltete" Siemens-Technik verantwortlich. Aber auch finanzielle und politische Schwierigkeiten tauchten auf, insbesondere der Streit um das iranische Atomprogramm. Beobachter vermuteten, dass Moskau die Fertigstellung hinauszögerte, um den Iran zu mehr Transparenz in seinem Atomprogramm zu zwingen.

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