Das freie Wort

Politik ist lernbar

Zum Glück gibt es Menschen, denen etwas derart wichtig ist, dass sie sich vehement dafür einsetzen. Nicht wenige Ellbogentechniker und Egoisten machen es aus reiner Geltungssucht – und um persönlich davon zu profitieren. Und dann gibt es da noch die Idealisten, die auch den sprichwörtlichen Kampf gegen Windmühlen in Kauf nehmen, unabhängig davon, was und wie viel für sie persönlich am Ende herausschaut. Nicht alles davon ist löblich, aber menschlich. All das gibt es im ganz normalen Leben ebenso wie im Getriebe der Politik. Man lernt nicht nur für das Leben, sondern vor allem aus dem Leben. Auch Politik ist lernbar. Politik bietet ein breites Angebot an Parteien, um sich für die eine oder gleich mehrere Sachen einzusetzen. Alles Geschmacksache. Man darf sich nur nicht der Illusion hingeben, dass sich innerhalb von ein bis zwei Jahren alles verändern lässt, was einem am Herzen liegt. Dann wacht man mit harter Landung in der Realität auf, und viele werfen dann viel zu früh die Flinte ins Korn. Die Mühlen der Politik drehen sich nun mal nicht nur auf EU-Ebene meist viel zu langsam. Man erkennt relativ schnell, dass ohne Kompromissfähigkeit überhaupt nichts weitergehen würde. Wobei es absolut nichts bringt, wenn man sich gegenseitig auf einen minimalsten gemeinsamen Nenner herunterverhandelt, der letztlich niemandem nützt und auch nichts bewegt. Dass Parteien, die sich inhaltlich zu mindestens 75% gleich sind, eine Regierung bilden, ist die Ausnahme und nicht die Regel. Und selbst das ist bekanntlich noch keine Garantie für eine langjährige nachhaltige Zusammenarbeit. An die einst „Große“ Koalition aus SPÖ und ÖVP erinnere ich mich nur äußerst ungern, vor allem an die letzten beiden Perioden. Da ging wirklich nur mehr null. Auch das ist kein rein österreichisches Phänomen. Weil es Parteien gibt, die sich in alten glorreichen Zeiten sonnen und verschlafen haben, dass sich die Welt weiterdreht, neue Herausforderungen inklusive. Das ist nicht das, was ich als Normalbürger unter Regierungsfähigkeit verstehe. Politiker, Parteien und Regierungen misst man am besten an Taten und Missetaten. Oft ist es einfach besser, neue Wege einzuschlagen. Mit teilweise berechtigter Skepsis, aber überwiegend mit Mut und Zuversicht. Die gesunde Mischung macht’s. In der Politik und im ganz normalen Leben.

Christian Stafflinger, Linz

Erschienen am Fr, 10.1.2020

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