30.07.2003 14:41 |

Endstation Atlantik

New York versenkt U-Bahn im Meer

Die letzte Fahrt geht auf den Meeresboden. Wenn New Yorks U-Bahnwagen nach gut 40 Jahren Einsatz und hunderttausenden Kilometern durch die Tunnel der Millionenstadt zu altem Eisen erklärt werden, wartet der Atlantik. 650 werden dieser Tage vor der Küste des benachbarten Bundesstaates New Jersey versenkt. Dort sollen sie künstliche Riffe bilden, „die Muscheln, Hummer und Fischschwärme anziehen".
Redbirds nennen New Yorker ihre U-Bahnwagenaus den 1950er und 60er Jahren in Anspielung auf deren Farbe undohrenbetäubendes Quietschen beim Halt in den Bahnhöfen.Hätten die Redbirds nicht Asbest in den Wänden, wärensie zum Ausschlachten auf dem Schrottplatz gelandet. Doch dieBeseitigung des Krebserregers war so teuer, dass die Stadt nachAlternativen suchte. Sie bot die Waggons kostenlos im Auslandan - in Rumänien, Ungarn, China, Brasilien, Indien, Pakistanund der Türkei - sah sich aber mit einem Wust von Problemenkonfrontiert. Wer nimmt schon freiwillig Asbest?
 
Da kamen die New Yorker Verkehrsbetriebe auf dierettende Idee mit der Ruhestätte im Meer. Sportfischer unddie gesamte Branche reagierten begeistert. Selbst New JerseysUmweltminister Bradley Campbell war angetan. Die U-Bahnwagen seien"ein Gewinn für Angler, für die Wirtschaft der Küstenorteund für die Meereswelt: wir erweitern den Lebensraum derFische". Umweltschützer haben bereits grünes Licht gegeben.
 
Redbirds sind dort nicht allein
Die U-Bahn-Waggons gesellen sich auf dem Meeresbodenzu 400 ausrangierten Panzern vom Typ Sheridan und M60, Hundertenvon Kuttern und anderen havarierten Schiffen sowie vielen MillionenTonnen Schutt und Steinen aus dem New Yorker Hafen. An andererStelle vor New Jersey hat die Stadt Philadelphia ihre Massenverkehrsmittelentsorgt. Fehlt nur noch, dass die Mafia noch ein paar säumigeSchuldner mit Betonschuhen zum Meeresgrund schickt. Dann gibtes auch wieder "Fahrgäste"...
Montag, 14. Juni 2021
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