08.06.2007 15:03 |

Sexy Lara ist zurück

Lara Croft Tomb Raider: Anniversary

Sie ist zurück und feiert Geburtstag: Seit zehn Jahren begeistert Lara Croft, die schönste Archäologin der Spielegeschichte, mit ihren "Tomb Raider"-Abenteuern nicht nur männliche Fans. Das neueste Game "Anniversary" ist eigentlich die Neuauflage von Laras erstem Erkundungstrip auf der Suche nach Artefakten - und doch bei weitem mehr als ein herkömmlicher Abklatsch.

Es gibt wohl kaum einen Gamesfan über zwanzig, der sich nicht an Lara Crofts erstes Abenteuer erinnern kann. Wölfe, Bären, hinterhältige Fallen und jede Menge Geschicklichkeitsaufgaben warteten auf mutige Hobby-Archäologen. An erster Stelle standen jedoch Kombinations- und Logikrätsel mit meist knackigem Schwierigkeitsgrad.

An dieser höchst erfolgreichen Formel schraubten die Entwickler mit jedem Tomb-Raider-Abenteuer herum - die Fans waren nicht begeistert. "Angel of Darkness" mit einer bleichgesichtigen Lara war der vorläufige Tiefpunkt, und fast schien das Ende der Serienheldin besiegelt. Doch "Legend" versöhnte viele Gamer mit der schießwütigen Brünetten, neue Bewegungen - "Prince of Persia" ließ grüßen - und Geräte brachten Schwung in Laras Abenteuer-Dasein.

Die Entwickler haben diese Neuerungen in "Anniversary" hinüber gerettet, also sind Haken und graziöse Wandkletter-Einlagen auch diesmal möglich. Der Inhalt des ersten Lara-Abenteuers wurde praktisch unverändert übernommen: Die schöne Archäologin ist auf der Suche nach der sagenumwobenen, vom Meer verschluckten Stadt Atlantis.

Laras Mission wird ihr von einer zwielichtigen Auftraggeberin zugetragen - im Rest des Spiels sind menschliche Figuren jedoch rar gesät. Sie tauchen vor allem in Zwischensequenzen auf - in die der Spieler übrigens manchmal eingreifen muss. Lara ist auf ihrer Reise - so geht es etwa nach Peru, Griechenland und Ägypten - meist allein und mit leichtem Gepäck unterwegs. Natürlich sind ihre besten Freunde die zwei Pistolen, mit denen sie gnadenlos alles aus dem Weg ballert. Dieses Schicksal ereilt viele fiese Tiere: Etwa Wölfe, Bären und nicht zu vergessen gigantische Dinosaurier...

Der Tod lauert unterm Abhang
In bester Croft'scher Manier ist Lara vor allem damit beschäftigt, sich den Weg durch Dschungel und Höhlen zu bahnen, vorbei an giftigen Pfeilen und todbringenden Abhängen. Über letztere hantelt sich die Archäologin elegant, auch waghalsige Sprünge in Kombination mit dem Einsatz des Wurfhakens sind erforderlich. Genau hier liegt das größte Manko des Spiels: die vermaledeite Kameraperspektive. Die springt nämlich mit Vorliebe ausgerechnet vor Kletter- und Sprungpassagen in die denkbar ungünstigste Position, besonders Sprünge in Kombination mit Hakenwürfen arten des Öfteren in Geduldsspiele mit vielen virtuellen Toden aus. Das hätte nicht sein müssen.

Der Rest des Games ist jedoch ein Hingucker: Von Lara, die hübsch und polygonreich wie eh und je durch die Katakomben huscht, über die wunderbar detailreich gestalteten Innen- und Außenareale bis hin zu den Angreifern - die Grafik ist ohne Zweifel gelungen. Nur einige Clippingfehler trüben das Bild, etwa wenn Lara buchstäblich in der Luft hängt.

Schalter drücken, klettern, springen, nochmal drücken...
Lara ist hauptsächlich damit beschäftigt, Türen zu öffnen, Abhänge zu überwinden und glitzernde Artefakte auf schier unerreichbaren Plateaus aus schwindelerregender Höhe zu holen. Dabei helfen ihr vor allem ihre faszinierende Gelengigkeit und schier unendliche Kraftreserven, die sie hanteln, klettern und springen lassen wie ein Äffchen.

Gegenstände zu kombinieren und Schalterrätsel zu lösen ist für Tomb-Raider-Gamer ein Muss, denn mit diesen Tätigkeiten verbringt die junggebliebene Abenteurerin den Hauptteil ihrer Zeit - wenn sie nicht gerade von Stange zu Stange schwingt, selbstverständlich. Außerdem müssen Medipacks und zusätzliche Gegenstände sowie Artefakte in den verwinkelten Gängen entdeckt werden - keine so leichte Aufgabe. Denn die Entwickler haben seit Laras ersten Abenteuern die Schwierigkeitsschraube angezogen: Medipacks sind nicht mehr an jeder Ecke zu haben sondern müssen erspäht und nicht selten mühsam erarbeitet werden.

Dinos und anderes Getier...
Die K.I. der tierischen Gegner ist von höchst unterschiedlicher Qualität, was auch den Schwierigkeitsgrad beeinflusst. So sind mehrmals Wölfe gesichtet worden, die mit dem Kopf gegen die Wand laufen und sich so problemlos abknallen lassen. Bären dagegen sind verdammt schnell und bösartig: Sie aus der Ferne zu erledigen ist ein Muss. Dinosaurier fallen natürlich in eine eigene Kategorie...

Lara kann bei Angriffen zwar theoretisch ein schnelles Ausweichmanöver starten, das gelingt jedoch in der (virtuellen) Realität meist nicht. Die Enge der Gänge verhindert den Erfolg und trotz am Bein nagendem Wolf wild drauflos zu ballern ist die einzige Möglichkeit, das Vieh in die ewigen Jagdgründe zu schicken. Wer ein Tier also nicht rechtzeitig erledigt, kommt um eine Verletzung wegen der Enge - und der besagten Kameraperspektive, die eine gute Übersicht erfolgreich verhindert - meist nicht herum.

Doch auch dieses Manko kann den Spaß am Game nicht schmälern, denn es gibt unzählige Geheimtüren zu entdecken. Außerdem warten wieder jede Menge Artefakte, die Goodies freischalten. Auch Laras Anwesen "Croft Manor" ist wieder als eigene spielbare Mission enthalten, hier können unerfahrene Gamer außerdem ihr Kletter- und Kombinationskönnen erproben.

Fazit: Lara Croft ist zurück, und das Geburtstags-Game wird der schießwütigen Archäologin wahrhaft gerecht. Vorausgesetzt natürlich, der Spieler steht auf knackige Logik- und Kombinationsrätsel, denn aus denen besteht "Tomb Raider: Anniversary" zum überwiegenden Teil. Ein sehr gelungenes Remake für all jene, die aufregende Erkundungstouren mit Kletter- und Logikrätseln lieben, keinen großes Verlangen nach Begegnungen mit virtuellen Charakteren haben und eine mittelhohe Frust-Toleranzgrenze besitzen.

Plattform: PC (getestet), PS2
Publisher: Eidos
Krone.at-Wertung: 90 %

Von Bernadette Geißler

Donnerstag, 06. Mai 2021
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