02.03.2007 23:12 |

Voll die Mitleidstour

BAWAG-Elsner spielt jetzt das arme Polit-Opfer!

Langsam lichten sich die Nebel, wie der ehemalige, erfolgreich am Herzen operierte BAWAG-Generaldirektor Helmut Elsner und dessen Anwalt die Verteidigungsstrategie für den noch heuer stattfindenden Monsterprozess anlegen werden: Aus einem der „Krone“ vorliegenden vertraulichen Schreiben des Elsner-Anwalts an den parlamentarischen Banken-Untersuchungsausschuss geht nämlich eindeutig hervor, dass Elsner fest entschlossen scheint, vor Gericht das Polit-Opfer zu spielen. Ob er mit diesem Trick durchkommt und eventuell freigesprochen werden muss, wird sich weisen.

Zitate aus dem Anwaltsschreiben belegen jedenfalls, wie die Verteidigung Elsners angelegt werden soll: Da wird zunächst festgehalten, dass sich Elsner "wegen der ihm gegenüber anhängigen Zivil- und Strafverfahren zu jeder ausschussgegenständlichen Frage der Aussage entschlagen wird". Das heißt im Klartext: Ihr braucht den Ex-BAWAG-General gar nicht ins Parlament zitieren, denn sagen wird er ohnehin nichts.

Danach folgt in dem Anwaltsschreiben eine Passage, die an Wehleidigkeit nichts zu wünschen übrig lässt: Sollte Herr Elsner dennoch vorgeladen werden, dann würde, laut Anwaltsschreiben, "die damit verbundene öffentliche Demütigung unseres bald 72-jährigen am Herzen erkrankten Mandaten nur ein weiteres Mal die von Anbeginn gegebene politische Dimension dieses Falles hervorheben".

Öffentliche Demütigung Elsners? Politische Dimension eines Falles, bei dem es doch in erster Linie um Geldvernichtung in Milliardenhöhe geht? Hier beziehen sich Elsners Anwälte offensichtlich auf die blitzartige Rückhol-Aktion des Ex-BAWAG-Generals aus Frankreich und vor allem darauf, dass SPÖ-Justizministerin Maria Berger durch Telefonate mit Paris nachgeholfen hat.

Diese Aktion wurde bekanntlich in diversen fortschrittlichen Medien als Verstoß gegen die Menschenrechte gebrandmarkt und in der Folge der abstruse Schluss gezogen, Elsner werde deshalb letzten Endes als freier Mann aus dem Gerichtssaal hinausspazieren.

Sollte diese Elsner-Verteidigungsstrategie vor Gericht tatsächlich durchgehen, dann würde sich erneut bewahrheiten, was im Fall des Ex-BAWAG-Generals schon sehr oft befürchtet worden ist: Jeder Hendldieb wird in diesem Land strenger angefasst als jemand, der unglaubliche Vermögenswerte zur Seite geschafft und durch so genannte Heuschreckenspekulationen die Existenz Tausender Bankangestellter und ÖGB-Mitarbeiter gefährdet hat.

Peter Gnam, KronenZeitung

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