16.02.2007 16:30 |

Wiener Opernball

"Alles Paris!" am Wiener Opernball

Alle waren sie gekommen, die Schönen und Reichen, um beim 51. Wiener Opernball im Dreivierteltakt über das Parkett der Staatsoper zu schweben. Doch weder Bundeskanzler Gusenbauer, noch Starmania-Siegerin Nadine oder etwa Schlagersänger Roberto Blanco konnten den eigentlichen Stars des Abends das Wasser reichen: Paris Hilton, Operndiva Anna Netrebko und Pferd "Pascha" bezauberten beim Ball der Bälle, der heuer ganz im Zeichen der Farbe Grün stand, nicht nur die rund 5.000 Besucher, sondern auch ein Millionenpublikum vor den Fernsehern.

Vor Netrebko hatten jedoch die Debütanten ihren großen Auftritt. Mit grünen Fächern und Krönchen zog ein erster Teil der insgesamt 176 Paare in das Sangeshaus ein. Nach dem Estudiantina Walzer von Emil Waldteufel, getanzt von den Solisten und Solistinnen der Staats- und Volksoper, standen schließlich Diva, Pferd und Direktor im Mittelpunkt: Netrebko wurde als "Manon" in einer historischen Kutsche in die Oper gefahren, die von dem 15-jährigen Schimmel "Pascha" gezogen wurde. Entgegen allen Befürchtungen verschonte das Pferd den Boden der Oper mit ungewollten "Geschäften". Als Kutscher fungierte Direktor Ioan Holender, der sich zuvor extra in sein enges Jackett hatte zwängen lassen, selbst.

Doch der Auftritt des Pferdes sollte nicht die einzigste Premiere des Abends bleiben. Im Anschluss an Opernstar Netrebko eröffneten alle 176 Debütanten gemeinsam den Ball der Bälle: "Alles Walzer!"

"In LA sieht man so etwas nicht"
Das inoffizielle Motto hätte jedoch auch "Alles Paris!" lauten können. Beinahe zerdrückt von Fotografen, wälzte sich der Tross um die 25-jährige Paris Hilton gegen 21.30 Uhr in Zeitlupentempo die Feststiege der Wiener Oper hinauf. Selbst Baumeister Richard Lugner musste sich eingestehen, dass sich so etwas wie Paris nicht mehr toppen lasse.

Die Millionenerbin, die wie angekündigt in ein goldenes Kleid gehüllt war, nahm das Spektakel hingegen gelassen. Brav lächelnd ließ sie das Blitzlichtgewitter abgeschirmt von mehreren Bodyguards über sich ergehen. 

Im anschließenden Gespräch mit Alfons Haider war die 25-Jährige vor allem voll des Lobes für Anna Netrebko und ihre unvergleichliche Stimme. Doch auch das Geschehen im Saal hatte es ihr angetan: "In LA sieht man so etwas nicht. Wie könnte ich es nicht lieben", so die Antwort der Hotelerbin.

Staatsspitze besuchte Ball des Jahres
An der Spitze des offiziellen Österreichs besuchten Bundespräsident Heinz Fischer und Bundeskanzler Gusenbauer das Fest. Neben dem slowenischen Ministerpräsidenten Janez Jansa begrüßte der Kanzler auch Burgschauspielerin Birgit Minichmayr und den bulgarischen Schriftsteller Dimitre Dinev. Bundespräsident Heinz Fischer wurde wie bereits in den vergangenen Jahren von keinem offiziellen Staatsgast begleitet.

Die schwarze Regierungsriege kam beinahe geschlossen in die Oper. Lediglich Umweltminister Pröll und Innenminister Platter fehlten. Der Innenminister verbrachte den Abend mit "seinen" Polizisten, die wegen etwaiger Demonstrationen im Einsatz waren. Bei Vizekanzler Molterer und Außenministerin Plassnik waren OSZE-Generalsekretär Perrin und der slowakische Außenminister Kubis eingeladen.

Rauferei am Rande der Opernball-Demo
Die einzig angemeldete Opernball-"Demo" von rund fünf Aktivisten der Tierschutzorganisation PETA am Abend verlief ruhig. Zu unschönen Szenen kam es jedoch beim Museumsquartier. Nach Angaben von Werner Autericky vom Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung hatten sich etwa 40 bis 50 Punks dort versammelt. Dabei dürfte es zu einer Rauferei innerhalb dieser Gruppe gekommen sein.

Danach zogen rund 80 Demonstranten um die Oper. Zumindest ein Teil von ihnen stammte von jener Punker-Gruppe beim Museumsquartier. Die Kundgebungsteilnehmer wanderten auch zur Albertina, wo sie auf der Galerie Parolen skandierten. Unter anderem war zu hören: "Bringt das Kapital zu Fall, nieder mit dem Opernball!"

Samstag, 12. Juni 2021
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