02.02.2007 12:52 |

Ru(h)mreiche Suche

Tortuga: Two Treasures

Strahlend blauer Himmel, kristallklares Meer, üppige Palmen und weiße Sandstrände: Das Leben als Pirat in der Karibik könnte so schön sein, würden in "Tortuga: Two Treasures" nicht alle nach dem Leben von Kapitän Thomas "Hawk" Blythe trachten…

Der ist nämlich Kapitän eines Piratenschiffs unter dem Kommando des berüchtigten Blackbeards. Als dieser ihn auf der Suche nach dem Schatz von Henry Morgan ins britische Kingston schickt, scheint vorerst noch alles nach Plan zu laufen. In der Gefängniszelle muss Hawk allerdings erkennen, dass ihn Blackbeard verlassen und verraten hat. Glücklicherweise gibt es ja noch die fesche Voodoo-Priesterin Sangua und Catherine DeMorgaine, die Tochter des Gouverneurs von Kingston.

Wenngleich die Geschichte auf den ersten Blick nur all zu viele Parallelen mit dem "Fluch der Karibik" aufweist, so zieht einen das Spiel dennoch von der ersten Minute an in seinen Bann. Denn ehe man sich versieht, befindet sich der Spieler in einem explosiven Gefecht auf hoher See. Rasch gilt es daher die Segel zu setzen, das feindliche Schiff unter Beschuss zu nehmen und schließlich zu entern - dabei sollte tunlichst vermieden werden, dass die eigene Besatzung über Bord geht und den Haien zum Opfer fällt. 

Hatte der Spieler vorher noch das Kommando über sein Schiff samt Crew, so ist er in den Land- bzw. Entermissionen auf sich selbst gestellt und muss in einer 3rd-Person-Perspektive mit Säbel und Pistole seinen Mann stehen. Sind feindliche Crew und Kapitän (in Form eines Boss-Kampfes) nach feinster Hack & Slay-Manier dahingerafft und über die Planken gegangen, darf nach Herzenslust geplündert werden und die Schätze des Schiffes wandern auf das eigene Konto.

Mit den so erworbenen Reichtümern darf im Handelsdepot auf Einkaufstour gegangen werden. Die käuflich zu erwerbenden Gegenstände unterteilen sich dabei in Items für Missionen auf hoher See und solche für den Landgang. So können Schiffe mit explosiven Sprengfässern, Segel zerfetzenden Ketten-Kugeln oder Meeresungeheuer herbeischwörenden Kraken-Ködern ausgestattet werden. Auch Reparatur-Kits für Segel, Rumpf und Kanonen können erstanden werden, falls das Schiff selbst einmal eine volle Breitseite abbekommen sollte. Landratten freuen sich hingegen über allerlei Säbel, Pistolen, hoch brisanten "Flaming Rum" (der Molotov-Cocktail lässt grüßen) oder spezielle Voodoo-Heiltränke.

Wenngleich die Steuerung auf dem Festland im Laufe des Spiels mit einigen Extra-Moves (Tritte oder Rundumschläge) aufwarten kann, so ist sie doch ähnlich simpel gehalten wie zu Wasser: Mit W, A, S und D bewegt der Spieler Boot bzw. Pirat, mit der Maus wird die Kamera justiert, mit einem Klick können Salven abgefeuert oder Hiebe ausgeteilt werden, während sich mit der Leertaste Waffen und andere Items auswählen lassen. Selbst der schnelle Einstieg ins actionreiche Geschehen geht somit leicht von der Hand. Zudem bieten fünf unterschiedliche Schwierigkeitsgrade für jeden Spielertyp die nötige Herausforderung.

Schließlich gilt es in insgesamt 60 abwechslungsreich gestalteten Missionen sein Können unter Beweis zu stellen. Unter wechselnder Flagge und auf unterschiedlichen Schiffen dürfen in den See-Missionen andere Schiffe oder große Festungen bombardiert oder in Seenot geratene Schiffe geborgen werden. Ein anderes Mal gilt es schnell das Weite zu suchen, wenn große Schlachtschiffe die Verfolgung der eigenen Nussschale aufnehmen. Am Festland dürfen hingegen die liebevoll gestalteten Straßen von Kingston, entlegene Inseln oder feuchte Piratenhöhlen erkundet und von britischen Soldaten, Offizieren und Piraten, aber auch Zombies bereinigt werden.

Grafisch bietet "Tortuga: Two Treasures" ansprechende Kost, wobei vor allem die Wassereffekte sowie der dynamische Wechsel zwischen Tag und Nacht hervorzuheben sind. Wirklich hervorragend gelungen ist aber die deutsche Synchronisation, die in den etwa 90 Zwischensequenzen voll zur Geltung kommt und Hörspiel-Qualität besitzt.

Fazit: "Tortuga: Two Treasures" lebt vom gelungenen Wechsel zwischen Land- und See-Missionen und den vielen unterschiedlichen Waffen und Items, auf die der Spieler im Laufe des Spiels zurückgreifen kann. Hinzu kommen eine schmucke Grafik und eine packend erzählte Geschichte. Hinzu kommt, dass die Jubiläumsedition zum 15-jährigen Bestehen von Entwickler Ascaron die Vollversionen von "Patrizier 2 Gold", "Port Royale Gold" und "Piraten – Herrscher der Karibik" enthält. Viel Spiel für vergleichsweise wenig Geld und daher für Landratten wie Seebären gleichermaßen geeignet.

Plattform: PC
Publisher: Koch Media
Krone.at-Wertung: 81%


von Sebastian Räuchle

Dienstag, 18. Mai 2021
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