15.01.2007 08:06 |

Tod durch den Strick

Mitangeklagte Saddam Husseins hingerichtet

Gut zwei Wochen nach der Hinrichtung des ehemaligen irakischen Machthabers Saddam Hussein sind zwei seiner Mitangeklagten gehängt worden. Der Halbbruder Saddam Husseins, Barzan Ibrahim, und der ehemalige Präsident des Revolutionstribunals, Awad al-Bandar, sind am Montag vor Tagesanbruch hingerichtet worden.

Saddam war am 30. Dezember exekutiert worden. Alle drei Männer waren am 5. November wegen der Ermordung von 148 Schiiten in der Kleinstadt Dujail 1982 zum Tode verurteilt worden. Ibrahim und al-Bandar sollten zunächst gemeinsam mit Saddam Hussein hingerichtet werden. Doch entschied sich die irakische Regierung, zunächst nur das Todesurteil gegen den früheren Präsidenten zu vollstrecken.

Der irakische Staatsanwalt Al-Farun sagte, die Regierung habe die Staatsanwaltschaft am Montag in der Früh um die Entsendung eines Vertreters gebeten. Er habe einen Richter geschickt, um die Hinrichtung zu bezeugen. Diese sei vollzogen worden. Nach Angaben eines irakischen Generals fand sie in dem Gebäude in Bagdad statt, in dem auch Saddam Hussein gehängt wurde.

Erst kürzlich hatte der neue UNO-Generalsekretär Moon an die irakische Regierung appelliert, die Todesurteile nicht zu vollstrecken. In der vergangenen Woche hatte auch Staatspräsident Talabani die Regierung in Bagdad aufgefordert, die Hinrichtung zu verschieben. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hatte an die Regierung appelliert, auf die Vollstreckung der Todesstrafen ganz zu verzichten. Auch die deutsche EU-Ratspräsidentschaft hatte sich gegen die Todesstrafe ausgesprochen.

Bush warnt vor Versagen im Irak
US-Präsident Bush hat unterdessen vor einem Scheitern des US-Einsatzes im Irak gewarnt. "Ein Versagen im Irak würde den Iran stärken, der eine bedeutende Bedrohung für den Weltfrieden darstellt", sagte Bush am Sonntagabend im US-Fernsehen. Bush warnte Teheran erneut vor einer Einmischung in dem Nachbarland. Der iranische Präsident Ahmadinejad warf den USA vor, von eigenen Fehlern im Irak ablenken zu wollen.

Wenn Iraner im Irak erwischt würden, "werden wir uns mit ihnen befassen", erklärte Bush. Er verteidigte seine Entscheidung, 21.500 zusätzliche Soldaten in den Irak zu schicken. An diesem Plan wolle er trotz Widerstands im Kongress festhalten. Angesichts der Krise in dem Land seien "Nichtstun" oder ein Truppenabzug für ihn ausgeschlossen gewesen.

Am Donnerstag hatte die US-Armee im nordirakischen Erbil fünf Iraner festgenommen. Washington verdächtigt sie der Unterstützung regierungsfeindlicher Rebellen. Nach Angaben Teherans handelt es sich jedoch um Konsulatsmitarbeiter. Die iranische Regierung verlangte die sofortige Freilassung und Schadensersatz.

Al Kaida spottet über Bushs Pläne
Die Al Kaida im Irak hat in einer Internet-Botschaft über die neue Irak-Strategie von Bush gespottet. Die Erhöhung der US-Truppenpräsenz im Land werde nichts bringen, hieß es darin laut einem Bericht von "Spiegel Online". Bush werde nicht darum herumkommen, bald seine "Niederlage und Flucht aus dem Irak" anzukündigen. Es handelt sich um die erste Reaktion irakischer Terroristen auf die Ankündigung Bushs, zusätzliche 21.500 Soldaten in den Irak entsenden zu wollen.