Di, 14. August 2018

E-Fahrzeuge

21.11.2017 15:02

Carsharing in Wien: Zustrom zu den Teilzeit-Autos

In Wien drängen Carsharing-Anbieter mit Elektro-Fahrzeugen auf den Markt - was die Kunden erwartet, welche Hürden zu nehmen sind.

Ein Carsharing-Auto ersetzt acht bis 15 private Autos. So sieht zumindest die Rechnung des Verkehrsclub Österreich aus. Das spart jede Menge Emissionen in der Stadt. Noch mehr, wenn es elektrisch ist. Und tatsächlich erhalten die Teilzeit-Autos in Wien derzeit wortwörtlich Zustrom.

Nach dem Rückzug von Zipcar hat Anfang November der Anbieter Stadtauto dessen Standorte übernommen. Vorerst mit 15 Stationen und ebenso vielen Autos, ab dem Frühjahr sind es dann 65 Stationen (auch mit Ladesäulen) und 70 Hyundai Ioniq - hybrid und vollelektrisch.

"Der Plan ist, überwiegend rein elektrische Autos anzubieten", erklärt Geschäftsführer Martin Mai. Größte Hürde? "Die Angst der Kunden vor dem Kabel. Da gibt es oft Hemmungen wegen Laden im Regen oder Ähnlichem." Der Stadt werden Abgase erspart, dem Kunden Geld: "Es gibt keine Spritkosten, dadurch ist der Preis pro gefahrenem Kilometer günstiger. Das wollen wir weitergeben." Die Jahresgrundgebühr kostet 49 Euro, eine halbe Stunde sechs Euro.

Auch GreenMobility will in Wien Fuß fassen. Derzeit bietet das dänische Unternehmen nur in Kopenhagen E-Autos zum Carsharing an. "Wir suchen Partner, die mit uns kooperieren wollen", verrät Sprecherin Michelle Barosin. Wie viele Autos geplant sind? "In Kopenhagen sind 400 Renault Zoe im Einsatz, damit rechnen wir auch in Wien." Die Autos stehen nicht an bestimmten Standorten, sondern es gibt ein Geschäftsgebiet (Free Floating). Wo geladen wird? "Dafür gibt es Hotspots. In Dänemark arbeiten wir mit dem Energieanbieter E.ON zusammen. Vorstellbar sind etwa Ladepunkte bei Einkaufszentren."

Noch ist allerdings BMW-Tochter DriveNow der Platzhirsch beim E-Carsharing - von 500 Autos sind allerdings nur 20 Fahrzeuge vollelektrisch. "Wir haben das Ende 2015 als Pilotprojekt für drei Jahre begonnen", erklärt Geschäftsführer Robert Kahr. "Wenn die Ladesituation in Wien besser wird, sind wir in der Lage, schnell mehr Elektroautos anzubieten. Vonseiten der Stadt Wien sind 500 Ladepunkte für 2018 versprochen, danach sollen 500 weitere folgen."

"Wien fehlt es an Ladeinfrastruktur"
Im Folgenden ein Interview mit Daniel Hörer, Sprecher von Daimlers Carsharing-Firma Car2go.

"Krone": Herr Hörer, in Stuttgart, Amsterdam und Madrid bietet Car2go elektrische Smart-Fahrzeuge an, warum nicht auch in Wien?
Daniel Hörer: Wien fehlt es an Ladeinfrastruktur. Carsharing mit großen Elektro-Flotten stellt eine besondere Herausforderung dar. Die Autos dürfen nicht lange stehen, müssen immer auf der Straße sein. Lange Wege zu Ladesäulen stehen dem im Weg.

Ihr Unternehmen drängt aber auf Fortschritte ...
Wir sprechen dazu bereits mit der Stadt Wien, Datum kann man aber noch keines nennen. Nehmen Sie das Beispiel Hamburg, da stellen wir nächstes Jahr auf E-Autos um. Wir haben die Stadt bei der Auswahl der Ladesäulen unterstützt, die müssen ja an strategischen Stellen stehen.

Wie viel braucht es für eine Abdeckung?
In Stuttgart gibt es allein im Geschäftsgebiet 375 Ladesäulen des öffentlichen Energieversorgers, in Amsterdam 1000.

Andere Anbieter versuchen es trotzdem mit E-Autos in Wien - beobachten sie deren Entwicklung?
Natürlich. Wir haben 135.000 Kunden in Wien, das können wir noch steigern. Und wir wollen in allen Städten elektrisch werden. Bis Ende der Dekade soll Smart eine rein elektrische Marke sein. Die Zukunft des Carsharings ist elektrisch.

Daten & Fakten

  • Mehr als 200.000 Wiener nützen bereits Carsharing-Autos.
  • 44 Millionen Pkw-Kilometer werden durch die Teilzeit-Nutzung von Autos in Wien jährlich eingespart, das entspricht 7000 Tonnen CO2.
  • Das Laden funktioniert beim standortbasierten Anbieter Stadtauto an den Abhol- und Rückgabestellen. Beim Free-Floating-Modell von DriveNow mit fixem Geschäftsgebiet übernimmt ein Team des Anbieters das Laden, der Kunde kann an Ladesäulen von SMATRICS kostenlos laden, erhält dafür 20 Bonusminuten.

Stefan Burgstaller, Kronen Zeitung

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