01.12.2006 08:34 |

Im In- und Ausland

Firmen "verschmieren" jedes Jahr 3,5 Milliarden

Österreichische Unternehmer zahlen jährlich ungefähr 3,5 Milliarden Euro an Schmiergeldern. Diese Zahl nannte der Österreich-Chef des weltweiten Antikorruptions-Verbandes, Maximilian Burger-Scheidlin, im ORF-Wirtschaftsmagazin ECO. Er vermutet, dass ungefähr 1,5 Milliarden Euro zwischen Firmen in Österreich laufen und weitere rund 1,5 Milliarden Euro von Firmen an diverse Amtsträger oder Genehmigungsstellen.

Eine besondere Rolle spielen Schmiergelder im Ost-Geschäft. „Es gibt Vermutungen, dass es zum Beispiel in Aserbaidjian eine Art Korruptions-Steuer gibt“, sagte Burger-Scheidlin in ECO. Firmen müssten dort rechnen, ungefähr 3 Prozent vom Umsatz zahlen zu müssen, in Russland wären es aber auch noch 1 bis 1,2 Prozent. Als besonders korrupte Geschäftsregion nannte der Experte Kirgisien, wo das Schmiergeld von jeder zweiten Firma als Problem dargestellt wird.

Positive Entwicklungen sieht Burger-Scheidlin im EU-Beitrittsland Rumänien. Allerdings würde auch dort noch eine von vier Firmen zu Schmiergeldzahlungen angehalten, erklärte er. In vielen Ost-Staaten stelle auch die Gerichtsbarkeit noch ein Problem dar.

Während sich Firmen in Westeuropa bei Problemen einen Anwalt nähmen, sei es in bestimmten Ländern der GUS-Staaten auch noch möglich, durch Schmiergeldzahlungen an Richter entsprechende Gerichtsurteile zu erwirken.

Insgesamt gehe laut Burger-Scheidlin die Korruption in Osteuropa leicht zurück. „Im Einzelfalle könne die abverlangte Schmiergeldzahlung für Exporteure oder Investoren aber höher als früher und sehr belastend sein“, erklärte der Experte.

Donnerstag, 24. Juni 2021
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