Unerwünscht

Proteste gegen “Nikolo-Verbot”

Österreich
29.11.2006 18:11
Weil der große Mann mit dem Stock und dem weißen Rauschebart den Kleinen große Angst einjagen soll, ist der Nikolo in Wiener Kindergärten ab sofort unerwünscht. Von allen Seiten hagelt es jetzt wilde Proteste gegen das verhängte Hausverbot.

Die Bischofsmütze, der weiße Bart und das dicke Buch mit den aufgelisteten Alltagssünden. Der Nikolaus bringt nicht nur Schokolade und Nüsse, sondern auch Phobien und Angstneurosen. Jedenfalls glauben das einige Politiker und Pädagogen, die gegen den Heiligen mobil machen.

"Viele Kinder fürchten sich vor dem Nikolaus", glaubt Wiens Vizebürgermeisterin Grete Laska. "Angst fördernde Elemente haben in Kindergärten aber nichts verloren." Vor einem schädlichen Einfluss auf die Psyche der Heranwachsenden warnt auch Sylvia Minich, die pädagogische Leiterin der Wiener Kindergärten ist. "Als kleines Mädchen habe ich mich auch vor dem Nikolo gefürchtet", sagt sie. "Sogar Sechs- bis Zehnjährige fangen zu weinen an, wenn er kommt."

Ist der Nikolo also zu gefährlich für unsere Kinder? "Unsinn!", sagen durchgängig fast alle Psychologen und Psychiater des Landes. "Er ist eine wichtige Figur", erklärt etwa Max Friedrich. Aber eine, die in den Wiener Kindergärten längst nicht mehr so auftreten darf, wie damals üblich.

"Entzauberung" des Geschenkebringers
Von einem rigorosen Nikolo-Verbot will man im Rathaus nach all der Aufregung plötzlich nichts mehr wissen. Man formuliert es jetzt anders. "Der Brauch wird ja nicht vollständig verbannt", meint Grete Laska. Offenbar geht es nur um die "Entzauberung" des Geschenkebringers mit dem Rauschebart. 

Denn: "Es kommt nun eben kein Nikolo mehr von außen." Entweder stehen die Geschenke plötzlich vor der Tür, oder ein Erzieher schlüpft vor den Augen der Kinder schnell in ein Kostüm. Um eine Angst zu nehmen, die so scheinbar nur in Wien existiert. In allen anderen Bundesländern ist der Nikolo weiterhin ein gern gesehener Gast.

"Nikolaus gehört zu unserer Kultur"
Die Hausverbots-Meldung hat jedenfalls für großen Wirbel und für Proteste gesorgt. "Der Nikolo gehört zu unserer Kultur", so Christoph Riedl, Bundesgeschäftsführer der Jungschar Österreich. "Es ist ein wichtiges Brauchtum." 

Michael Pommer, Kronen Zeitung

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