Mi, 20. März 2019
02.07.2017 08:18

"Inakzeptabel!"

Wahlkampfurlaub bei vollem Gehalt für Wiens Beamte

Wiener Beamte gehen mit 57,6 Jahren nicht nur früher als Kollegen aus anderen Bundesländern in Pension, wie der Rechnungshof kritisiert, auch in ihrer Aktivzeit genießen sie großzügige Privilegien. So können sie für "dringende Geschäfte" beurlaubt werden. Bei vollen Bezügen!

Wenn es in Wiener Wohnungen demnächst zu Mittag klingelt, kann da durchaus ein Krankenpfleger, eine Hausbesorgerin oder ein Buslenker mit einer Wahlkampfbroschüre vor der Tür stehen und eifrig Folder verteilen. Denn für Bedienstete der Stadt und ihrer ausgelagerten Betriebe (Kanal, Wiener Wohnen, KAV etc.) gibt es eine Sonderregelung, sofern sie sich bei der "richtigen" Gewerkschaft engagieren.

Sie können sich für wichtige Aufgaben freistellen lassen, die weit über die gesetzliche Freistellung für Personalvertreter hinausgeht. Und die Betroffenen tun das auch in erschreckend hohem Ausmaß, wie eine Anfrage der NEOS an die bis vor Kurzem dafür zuständige Stadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) zeigt.

"Summiert sich auf 2000 bis 4000 Tage im Jahr"
Im Schnitt beantragen 500 bis 600 Beamte und Vertragsbedienstete pro Jahr die Sonderfreizeit. "Das summiert sich auf 2000 bis 4000 Tage im Jahr", wettert der pinke Verwaltungssprecher Christoph Wiederkehr.

Funktionäre können sich im Schnitt eine volle Arbeitswoche "herausreißen", ergibt die Auswertung der Jahre 2010 bis 2015. Eine Handvoll Auserwählter bekommt sogar mehr als einen Monat genehmigt. Wiederkehr: "Das ist absolut inakzeptabel, unfair und gehört sofort abgestellt!"

Alex Schönherr, Kronen Zeitung

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