17.11.2006 16:20 |

Justiz schließt ab

Fall Kampusch abgeschlossen

Die Staatsanwaltschaft Wien hat am Freitag das Verfahren im Fall Natascha Kampusch eingestellt. Es gebe außer einer Zeugenaussage keine Erhebungshinweise, die auf die Beteiligung eines Mittäters hinweisen, hieß es in einer Aussendung. Auch für diese Angabe eines damals zwölfjährigen Mädchen hätten die Ermittlungen eine Erklärung gebracht.

Aus diesem Grund habe man das Verfahren wegen Freiheitsentziehung gegen unbekannte Täter eingestellt. Der Akt gegen den Entführer Wolfgang Priklopil wurde nach seinem Tod bereits am 21. September geschlossen.

Nach den Erhebungen der polizeilichen Sonderkommission ist davon auszugehen, dass Priklopil als Einzeltäter gehandelt habe, so die Staatsanwaltschaft. Die einzige Zeugenaussage, die sich auf mehrere Täter beziehe, konnte durch Aussagen von Natascha Kampusch und eine Tatrekonstruktion erklärt werden.

Kampusch erklärte Zwei-Täter-Theorie der Zeugin
Demnach soll der Entführer sein Opfer durch die Seitentüre in sein Fahrzeug gezerrt haben. Dort verschloss er die Tür von innen und kletterte auf den Fahrersitz. Das damals zwölfjährige Mädchen habe aus diesem Grund vermeintlich zwei Männer wahrgenommen: Einer soll Kampusch in das Auto verschafft haben, „der andere“ fuhr damit weg, glaubte sie.

Ermittlungsmaterial hat 160 Ordner Aktenumfang
Die Polizei hatte das Ende ihrer Ermittlungen bereits am Donnerstag bekannt gegeben. Insgesamt wurden in dem Kidnappingfall, der sich über mehr als acht Jahre hinzog, mehr als 2.000 Personen als mögliche Verdächtige überprüft, berichtete Generalmajor Gerhard Lang vom Bundeskriminalamt. Mehr als 1.500 Kfz-Zulassungsbesitzer wurden wegen der Ähnlichkeit ihres Autos mit dem Fluchtfahrzeug - einem Mercedes-Lieferwagen -  ebenfalls kontrolliert. Das Ermittlungsmaterial fand laut Lang in 160 Aktenordnern Platz.

 

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