24.04.2017 22:26 |

Zufallsentdeckung

Kleine Raupe hat großen "Appetit" auf Plastik

Jährlich werden weltweit rund 300 Millionen Tonnen Plastik produziert. Davon landet ein großer Teil im Müll und in weiterer Folge auch in den Weltmeeren. Insgesamt werden nach Schätzungen jedes Jahr weltweit 9,5 Millionen Tonnen Plastik ins Meer gespült. Nun könnte eine kleine Raupe, genauer gesagt die Larve der Großen Wachsmotte, eine wichtige Rolle im Kampf gegen die Vergiftung unseres Planeten spielen. Denn wie eine italienische Forscherin durch Zufall herausgefunden hat, fressen die Larven den wohl am häufigsten verwendeten Kunststoff Polyethylen.

"Ich beschäftige mich beruflich mit Hühnerembryos, bin aber Hobby-Bienenzüchterin", sagte Federica Bertocchini, die an der Studie beteiligt war, gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Bei der Säuberung eines Bienenstocks habe sie zu Hause im nordspanischen Santander, wo sie an der Universidad de Cantabria arbeitet, plötzlich "diese Würmchen" entdeckt. "Die sich von Pollenresten ernähren und für uns Imker wie die Pest sind." Die Italienerin warf die Larven in ein Plastiksackerl. Und siehe da: "Nach einer Weile war der Beutel voller Löcher und die Larven draußen!"

Diese Beobachtung setzte die Forschungsarbeit der Wissenschaftlerin und ihrer Kollegen in Gange, über die sie in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "Current Biology" berichten. Im Zuge einer intensiven Beobachtung fanden die Forscher heraus, dass rund 100 Wachsmotten-Larven in zwölf Stunden etwa 92 Milligramm eines normalen Einkaufsackerls fressen können. "Das ist ein sehr schneller Abbau, schneller als alles, was zu diesem Thema bisher wissenschaftlich veröffentlicht wurde", führte Bertocchini weiter aus.

"Wir vermuten, dass für diese schnelle Zersetzung ein Molekül oder Enzym verantwortlich ist, das wir zu isolieren versuchen werden." Dieses Enzym könne man dann in großen Umfang produzieren und es nutzen, um Plastikmüll abzubauen, hofft die junge Wissenschaftlerin.

Andere "Plastikfresser" sind viel langsamer
Auch andere Organismen wie Pilze oder Bakterien sind bekannt dafür, dass sie Kunststoffe abbauen können. Erst vergangenes Jahr wurde am japanischen Kyoto Institute of Technology ein Bakterium namens Ideonella sakaiensis entdeckt, das PET-Flaschen verdauen kann. Doch wie andere zuvor entdeckte "Plastikfresser" ist auch Ideonella weit davon entfernt, eine Lösung für das globale Problem mit dem Plastikmüll zu liefern. Unter optimalen Bedingungen und bei Temperaturen um die 30 Grad Celsius braucht es etwa sechs Wochen, um ein kleines Stück Polyethylenterephthalat (PET) zu zersetzen.

Da ist die Wachsmotten-Raupe beim Abbau von Polyethylen (PE) deutlich schneller. Dieses aus Erdöl hergestellte synthetische Polymer werde vor allem zur Herstellung von weltweit rund einer Billion Sackerln pro Jahr benutzt, die insgesamt rund 60 Millionen Tonnen Plastik entsprächen, erklärt Bertocchini. Plastik ist biologisch kaum abbaubar. Die Zersetzung kann mehrere Jahrhunderte dauern. Der Plastikmüll landet häufig in der Umwelt. Im Meer wird der Abfall von Fischen oder von Vögeln gefressen, die oft qualvoll an dem unverdaulichen Stoff verenden.

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