"Krone"-Kommentar

Seit 20 Jahren geht es bergab: Grün war einmal

Österreich
22.04.2017 16:55

Manchmal frage ich mich, wie es mit den Grünen so weit kommen konnte. Dann vergleiche ich die spießigen, regulierungsgeilen, sesselklebenden Krampfradler mit der tollen Chaos-Combo, die vor 30 Jahren eine lebenswertere Welt bauen wollte …

Mit dem Schauspieler Herbert Fux, einem erröten machenden Frauenverehrer, der heute Premiumkunde bei Partei- und Bezirksgerichten wäre; dem daueradoleszenten Gewerkschaftspräsidenten Günther Nenning (Bild unten); dem Vorarlberger Waldschrat Kaspanaze Simma, der mutmaßlich in Vollmondnächten hungernden Köhlerfamilien drei Wünsche erfüllte; dem wütigen Geologen Alexander Tollmann.

Für sie reichte es heute maximal zum politbürogesteuerten Shitstorm. Aber sie waren Idealisten und handelten auch so. Sie erzwangen die Erhaltung der Hainburger Au und die Umwidmung der Salzburger Altstadt in eine Fußgängerzone (ein historischer Akt der Rettung bedrohten Kulturgutes, keine sinnleere Sekkatur wie in Wien-Mariahilf).

Publizist und Grünaktivist Günther Nenning, aufgenommen am 24. September 2004 (Bild: APA/Roland Schlager)
Publizist und Grünaktivist Günther Nenning, aufgenommen am 24. September 2004

Dann ging es im Generationentakt bergab. Als vor 20 Jahren die Bundessprecherin Madeleine Petrovic erstmals Fotografen einbestellte, um in Yuppie-kompatibler Freizeitadjustierung auf Rollschuhen den Donaukanal entlangzuglühen (und sich bei dieser Gelegenheit ein Bein brach), schlug die Geburtsstunde des Austro-Boboismus. Auf dessen vorläufigem Höhe- bzw. Tiefpunkt betreiben die bessere Hälfte eines Dancing Stars und eine entgleiste griechische Tragödie die Spaltung.

Heinz Sichrovsky, Kronen Zeitung

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