Do, 19. Juli 2018

"Krone"-Interview

21.03.2017 13:56

Thomas David: Vom Suchen und Finden der Liebe

Via "Starmania" und "Die Große Chance" spielte sich der Steirer Thomas David ins Rampenlicht, das er nie aktiv suchte. Nach dem gefeierten Debütalbum "Able" und einer langen Tour, musste sich der 32-Jährige erst wieder selbst finden, um zu neuen Ufern aufbrechen zu können. Das Ergebnis nennt sich "to love" und zeigt den Künstler reif wie nie zuvor. Wir haben mit ihm darüber gesprochen.

Es gibt jene Künstler, die sich nach Erfüllung ihrer ersten 15 Minuten Ruhm medial ausschlachten lassen, ein Album nach dem anderen auf den Markt werfen und sich durch die Nachmittagstalkshows der Privatsender hanteln - und dann gibt es Thomas David. Der Steirer ist ein seltenes Exemplar künstlerischer Entschleunigung, der sich nicht blindlings den Verheißungen des spontanen Ruhms hingab, sondern seine Karriereschritte exakt abwog, um sich bescheiden hinter die Kunst zu stellen. Doch zuvor ein kurzer Rückblick.

Fester Standpunkt
2003 nahm der erst 18-jährige Thomas David Putz an der frisch gegründeten Casting-Show "Starmania" teil, avancierte mit seinem sympathischen Auftreten zu einem Publikumsliebling und erreichte auf Anhieb Platz 10. "Ich war anders und kam dadurch weit", erinnert er sich im "Krone"-Interview zurück, "lange Haare, Brille - eher die rockige Seite". Schon damals ging er keine Kompromisse zu Lasten seiner Kunst ein. Er war in Bali, arbeitete als Behindertenbetreuer und verließ das Rampenlicht, bis er zehn Jahre später, merklich gereift und den Platz im Leben gefunden, bei der "Großen Chance" zum Triumph eilte. "Es gab keine Homestorys oder Familiengeschichten von mir. Ich ließ mich nirgends herumscheuchen und stellte von Anfang an klar, dass ich Songwriter bin und meine Nummern spiele - nichts anderes."

Mit dem Triumph, der durch die Hit-Single "Able" und das gleichnamige Album zustande kam, war schnell klar, dass sich David auf die Musik konzentrieren werde. "Ich musste kein Produkt aus mir kreieren, ich hatte ja Songs und das Album. Natürlich vermisste ich meinen Brotjob, aber es wäre auch den Fans gegenüber unfair gewesen, nicht weiterzuziehen und alles wieder abzubrechen." Daraufhin folgte schließlich doch das Hamsterrad des Musikbusiness. Touren, Termine, Zeitdruck - aber immer zu Davids Bedingungen, ohne sich verbiegen zu müssen. Um sein neues Album "to love" schreiben zu können, benötigte der Steirer aber Abstand. "Irgendwann covert man sich selbst, weil man außerhalb des Zyklus nichts mehr erlebt. Um etwas erzählen zu können, muss man die Aufs und Abs des Lebens fühlen."

Zwischen London und Pinkafeld
Dazu zählte vor zwei Jahren auch eine Schreibblockade, die den Kreativfluss des engagierten Künstlers jäh stoppte. "Die Plattenfirma forderte Hits und ich wusste nicht, was ich tun sollte. Wenn man ein Hobby zum Beruf macht, ist es eben kein Hobby mehr - die Musik ist jetzt mein Beruf. Ich nahm mir 2015 also das Recht, mich rauszunehmen und sammeln zu können. Ich musste reflektieren, was in den letzten Jahren alles passiert ist." "to love" ist schlussendlich das Ergebnis einer nicht zu Ende gegangenen Reise. Für David ist das zweite Studioalbum der Beginn einer neuen Ära mit ungewissem Ziel. Die Zwischenstationen lagen etwa in London (Songwriting) und dem burgenländischen Pinkafeld (Produktion im Mushroom Studio).

"Wir haben auf dem Album dieselben Streicher, die schon Adele und Sam Smith verwendeten und ich habe Songs mit profilierten Songschreibern wie Ian Dench und Seth Jones geschrieben", erinnert sich der Sänger gerne an die fruchtbare Zeit der musikalischen Kooperation zurück, "zum Songschreiben gehe ich gerne raus, um etwas zu erleben. Es muss nur ohne Zwang passieren. Ich könnte mir auch vorstellen, einmal mit Leuten aus Nashville oder Skandinavien zusammenzuarbeiten. Und beim Spar in Allerheiligen rede ich halt weniger Englisch als in London." Nur bei der Produktion blieb David bewusst heimatverbunden. "Warum muss ich nach L.A., wenn wir ein so geiles Studio in Pinkafeld haben? Ich bin ein großer Fan von Heimat und heimatlichen Produkten", erklärt er ohne falschen Nationalpatriotismus, "Nachhaltigkeit ist ein Riesenthema."

Überthema Liebe
"to love" ist in erster Linie ein sehr persönliches Album, auf dem David das Wellental seiner Emotionen verarbeiten konnte. Im besten Singer/Songwriterstil brilliert er nicht nur mit seiner eindringlichen Gesangsstimme, sondern überzeugt auch mehr denn je zuvor als Songschreiber mit dem richtigen Gefühl für textliche Finesse. "Beim Songschreiben habe ich keine Formel, alles muss aus dem Herzen kommen. Wenn man sich die Texte aber genauer ansieht, dann merkt man schon, dass nicht immer alles cool war. Es gibt Songs, die sich um Trennung und Beziehungsprobleme drehen, aber auch um das Verliebtsein. Ich habe zwar eine Haltung, aber ich kann nicht über Plastikmüll und die Klimaerwärmung singen - dafür bewegt sich in meinem Herzen viel zu sehr das Thema Liebe."

"Able" ist einmal mehr ein sehr "egoistisches Album", nur die Nummer "Sooner Or Later" hat David seinem neunjährigen Sohn gewidmet. Der kleine Mann ist auch dafür verantwortlich, dass der Steirer in den besten Karrierephasen niemals die Bodenhaftung verlor. "Dem Bub ist es egal, ob der Papa vor 60 oder 60.000 Menschen spielen würde - wenn er im Garten Fußballspielen will, dann muss das eben sein", lacht David, "das ist auch der Grund, warum ich mir in meiner steirischen Heimat ein Haus gekauft habe und nicht in Wien oder Berlin lebe. Ich verbringe zu gerne Zeit mit den Menschen, die ich wirklich gerne habe."

Um die ganze Welt
In "Find My Love" geht es darum, die Liebe zu sich selbst zu finden, "Illusions" behandelt die berühmte rosarote Brille, die man in den ersten Tagen und Wochen des blinden Verliebtseins trägt und "Runaway" folgt lose dem Gedanken, sich immer wieder der Schlinge einer festen Beziehung lösen zu wollen. Am Stärksten identifiziert sich David aber mit dem Song "Sweet Nothings". "Der Song soll am besten um die ganze Welt gehen, das wäre wirklich ein Herzenswunsch von mir. Für mich ist die Nummer überhaupt einer der schönsten Songs, der sich um die Liebe dreht."

Ursprünglich hat David überlegt, das Album "Man With Heart" zu nennen, kam aber aufgrund der metaphorischen Limitierung des Titels wieder von der Grundidee ab. "to love" solle nun als ein "Toast auf die Liebe" gesehen werden. "Du kannst vor und nach dem Titel Wörter hinstellen, die eine weiterführende Botschaft ergeben. Der Titel ist so offen gehalten, damit jeder selbst für sich entscheiden kann, ob er sich selbst liebt, jemand anderen lieben kann oder für etwas Bestimmtes brennt. Ich kann mir zudem nicht vorstellen, dass sich nicht wirklich jeder mit zumindest einem Song auf dem Album identifizieren kann."

Release-Show im Porgy & Bess
Die offizielle Release-Show findet am Donnerstag, 23. März, im Wiener Porgy & Bess statt. Karten erhalten Sie unter 01/588 85-100 oder unter www.ticketkrone.at. Alle weiteren Termine und Tickets finden Sie unter www.thomasdavid.at.

Robert Fröwein
Robert Fröwein

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