Mi, 22. August 2018

Nordische Ski-WM

02.03.2017 20:18

Gold! Stefan Kraft ist Doppelweltmeister!

Stefan Krafts WM-Double ist perfekt! Der Salzburger gewann nach seinem Sieg auf der Normalschanze am Donnerstagabend in Lahti auch auf der Großschanze und ist damit der erste Österreicher, der bei einer Nordischen Ski-WM auf beiden Schanzen Gold holt. Im Video oben sehen Sie Krafts finalen Sprung!

Der 23-Jährige triumphierte erneut vor dem Deutschen Andreas Wellinger, der 1,3 Punkte zurücklag. Bronze holte Piotr Zyla (POL). Michael Hayböck, Manuel Fettner und Markus Schiffner kamen nicht in die Top 10.

Kraft ist der erst fünfte Doppelweltmeister seit Einführung des zweiten WM-Wettkampfes im Jahr 1962. Vor ihm war das nur Björn Wirkola (NOR/1966), Gari Napalkow (UdSSR/1970), Hans-Georg Aschenbach (DDR/1974) und Adam Malysz (POL/2003) gelungen.

Auf der Großschanze sorgte Kraft für den ersten ÖSV-WM-Titel seit dem Sieg von Gregor Schlierenzauer 2011 in Oslo. In Lahti kann Kraft seinen beiden Goldenen und Mixed-Silber im Teambewerb noch seine vierte Medaille hinzufügen.

"Ich muss saubrav gewesen sein"
"Wahnsinn, dass ich das verdient habe, ich muss echt saubrav gewesen sein in letzter Zeit", war Stefan Krafts erste Reaktion nach Doppel-Gold in Lahti. "Wellinger ist megastark gesprungen, es war sehr eng, aber es hat dann alles gepasst. Ob der Sieg für die Geschichte war, ist egal, das interessiert mich vielleicht, wenn ich einmal aufgehört habe. Ich habe mir beim zweiten Sprung nur gedacht, den Flug genieße ich."

Es war beeindruckend, wie fokussiert Kraft in seinem dritten Bewerb in Lahti war und einmal mehr just im Wettkampf seine besten Sprünge abrief. Der Pongauer bewies starke Nerven, wie schon von der Normalschanze triumphierte er nach Halbzeitführung. Fünf Athleten lagen vor dem Finale innerhalb von 3,0 Punkten, Kraft hatte nur einen halben Meter (0,9 Punkte) Vorsprung auf Normalschanzen-Vize Wellinger.

Das Finale lieferte Spannung pur. Zyla flog mit Tagesbestweite von 131 Meter vom sechsten Rang (127,5) nach vorne, der Reihe nach scheiterten seine Landsleute Dawid Kubacki und Kamil Stoch sowie Andreas Stjernen (NOR) an dieser Vorgabe. Wellinger (127,5/129) setzte sich an die Spitze und Kraft landete neuerlich bei 127,5 Meter. Das wird knapp, deutete er mit den Händen schon im Auslauf an und blickte wie seine Teamkollegen gespannt auf die Anzeigetafel, Zimmerkollege Hayböck faltete sogar die Hände.

Als 279,3 Punkte und Rang eins aufleuchtete, war im gesamten Team die Freude groß - nur der Held des Abends schaute noch ungläubig auf die Tafel. Er darf sich als erst vierter Österreicher nach Karl Schnabl (1976), Andreas Felder (1987) und Gregor Schlierenzauer (2011) Großschanzen-Champion nennen.

Deutsche wundern sich über Noten
Kraft waren diesmal zwar nicht die Bestweiten gelungen, bessere Haltungsnoten und höhere Punktezuschläge wegen stärkeren Rückenwinds entschieden aber jeweils zugunsten des vierfachen Saisonsiegers im Weltcup. Das kam nicht von ungefähr, denn Kraft und seine Kollegen hatten im Sommer eine Schulung bei einem Punkterichter absolviert. "Da habe ich gelernt, den Oberkörper nach der Landung aufrechter zu halten. Das war wichtig", hatte Kraft schon vor dem Triumph gemeint. Auf der Großschanze war es sogar entscheidend.

Die Konkurrenz wollte zunächst nicht an einen Stil-Vorteil Krafts glauben. "Ich weiß nicht genau, warum Stefan um zwei Punkte bessere Noten bekommt", meinte der 21-jährige Wellinger. Der Weltmeister mit dem Mixed-Team nahm es aber nicht sonderlich tragisch. "Stefan war zweimal knapp vor mir, das ist egal, wenn man zweimal da oben auf dem Podest steht." Auch DSV-Trainer Werner Schuster fiel die Bewertung auf: "Interessant, warum die Kampfrichter Kraft als schöneren Springer empfinden."

Heinz Kuttin gab zu, nervöser als beim Normalschanzen-Bewerb gewesen zu sein. "Unglaublich, wie Stefan bei diesen Verhältnissen eine Bombe nach der anderen raushaut. Er hat immer eine passende Antwort parat. Seine Flieger-Qualitäten sind derzeit unglaublich", lobte der Coach.

Hayböck auf Platz 11
Krafts Teamkollegen fielen jedoch etwas ab. Sein Zimmerkollege Michael Hayböck, im Vorjahr Gewinner des WM-Tests, verbesserte sich im Finale (128 m nach zuvor 121,5) immerhin an die elfte Stelle. "Mir taugt es, dass Stefan das heimgebracht hat, er hat gleich danach auch schon an das Teamspringen gedacht", sagte der Oberösterreicher.

Manuel Fettner (118/122,5) musste sich mit dem 18. Rang begnügen. Über den vierten Platz im Teambewerb am Samstag wurde nach dem Freitag-Training entschieden. Laut Kuttin haben Markus Schiffner, der am Donnerstag bei seinem WM-Debüt 22. (120/113,5) war, Gregor Schlierenzauer und Andreas Kofler die gleichen Chancen.

Das Endergebnis
1. Stefan Kraft (AUT) 279,3 (127,5/127,5)

2. Andreas Wellinger (GER) 278,0 (127,5/129,0)
3. Piotr Zyla (POL) 276,7 (127,5/131,0)
4. Andreas Stjernen (NOR) 276,1 (129,5/129,0)
5. Anders Fannemel (NOR) 268,8 (123,5/127,0)
6. Maciej Kot (POL) 266,9 (123,5/126,5)
7. Kamil Stoch (POL) 264,8 (127,5/124,5)
8. Dawid Kubacki (POL) 263,8 (128,5/123,0)
9. Peter Prevc (SLO) 263,7 (128,0/124,5)
10. Daniel-Andre Tande (NOR) 261,3 (121,5/129,5)
11. Michael Hayböck (AUT) 260,3 (121,5/128,0)
12. Johann Andre Forfang (NOR) 259,9 (127,0/122,5)
13. Markus Eisenbichler (GER) 258,0 (125,5/123,5)
14. Simon Ammann (SUI) 252,8 (122,5/125,5)
15. Daiki Ito (JPN) 248,7 (122,0/120,0)
16. Stephan Leyhe (GER) 247,2 (125,0/117,5)
17. Taku Takeuchi (JPN) 244,8 (122,0/121,0)
18. Manuel Fettner (AUT) 242,7 (118,0/122,5)
19. Richard Freitag (GER) 235,7 (121,0/115,5)
20. Jewgenij Klimow (RUS) 234,3 (120,0/117,5)
21. Jernej Damjan (SLO) 232,2 (113,5/120,0)
22. Markus Schiffner (AUT) 227,2 (120,0/113,5)
23. Janne Ahonen (FIN) 225,6 (115,0/116,0)
24. Dmitrij Wassilijew (RUS) 225,3 (120,0/115,5)
25. Viktor Polasek (CZE) 225,0 (116,0/115,5)
26. Ville Larinto (FIN) 224,6 (118,0/115,5)
27. Jarkko Määttä (FIN) 222,5 (116,0/117,5)
28. Jakub Janda (CZE) 219,4 (118,5/111,0)
29. Denis Kornilow (RUS) 209,1 (119,5/108,5)
30. Kevin Bickner (USA) 207,3 (117,0/104,0)

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