So, 23. September 2018

"Kopf unten"

19.04.2016 09:46

Kommt jetzt auch Handy-Verbot für Fußgeher?

Der Blick ist auf das Smartphone in der Hand gerichtet, Musik dröhnt durch Kopfhörer ins Ohr - gleichzeitig erfolgt der unbedachte Schritt auf die Straße. Ein Autofahrer bremst sich gerade noch rechtzeitig ein. Der Fußgänger sieht nichts ahnend auf: "Was ist passiert? Ich war in meinem Handy." In der EU spricht man von der "Generation Kopf unten". Jeder fünfte Verkehrstote ist ein Fußgeher. Grund genug für Experten, über ein Handy-Verbot auch per pedes nachzudenken.

Wie aktuelle Verkehrsstudien belegen, ist Ablenkung die Unfallursache Nummer eins im Straßenverkehr. Häufiger Grund für die fehlende Aufmerksamkeit ist dabei das Handy. Längst gibt es deshalb strenge Regeln für Auto- und Radfahrer. Doch gerade auch Fußgänger, die lieber SMS schreiben oder Musik hören, als auf den Verkehr zu achten, sind immer öfter auf Österreichs Straßen unterwegs.

"Handy-Verbot für Fußgänger denkbar"
"Die Menschen sind sich zwar der Gefahr bewusst, aber erst wenn man sie darauf hinweist", so Verkehrspsychologe Gregor Bartl am Dienstag im Ö1-"Morgenjournal". Aus reiner Gewohnheit würden viele Fußgänger daher ihr Handy nutzen und dabei den oft lebensrettenden Blick auf die Straße vergessen. Wegen der zahlreichen verunfallten Fußgänger hat sich in den USA bereits der Begriff "Digital Deadwalker" etabliert. So weit soll es in Europa nicht kommen: "Es ist denkbar, ein Gesetz einzuführen, das besagt, dass man als Fußgänger beim Überqueren einer Straße etwa keine SMS lesen darf", sagt Bartl.

"Gesetz würde zu kurz greifen"
Petra Jens, die Wiener Fußgängerbeauftragte, empfindet ein derartiges Verbot hingegen als nicht sinnvoll: "Ein solches Handy-Verbot würde zu kurz greifen. Was machen Sie mit der nächsten Ablenkung? Ist es dann auch verboten, sich mit seiner Begleitung zu unterhalten und in ein Schaufenster zu sehen?"

Zudem seien Fußgänger ohnedies bereits jetzt dazu verpflichtet, beim Queren einer Straße Blickkontakt mit anderen Verkehrsteilnehmern herzustellen. Die Förderung der Kompetenz und Kommunikation im Straßenverkehr sowie die reduzierte Verkehrsgeschwindigkeit seien daher laut Jens effektiver als ein reines Verbot.

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