12.07.2006 19:57 |

Kriegsverbrecher

Mutmaßlicher NS-Täter in Australien verstorben

Der mutmaßliche NS-Kriegsverbrecher Lajos Polgar ist in Australien verstorben. Das Simon-Wiesenthal-Zentrum hatte den gebürtigen Ungarn im Vorjahr in Melbourne entdeckt. Er wurde beschuldigt, während des Zweiten Weltkriegs Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen zu haben. Polgar soll ein ranghoher Funktionär der Pfeilkreuzler-Partei gewesen sein.

Das Wiesenthal-Zentrum betont, dass der 90-Jährige starb, noch ehe er für seine Taten im Zweiten Weltkrieg, für die Kooperation mit den Nazis und seine aktive Rolle bei den Pfeilkreuzlern, dem Pendant zur NSDAP in Ungarn, zur Rechenschaft gezogen werden konnte.

Lajos Polgar ist einer von unzähligen Nazi-Kollaborateuren gewesen, die nach 1945 nach Australien flüchteten und dort Asyl erhielten. Er soll bis zum Ende seines Lebens "stolz" auf seine Funktion in der Pfeilkreuzler-Partei gewesen sein. Kurz vor seinem Tod hat er noch offen behauptet, in Ungarn habe es keinen Holocaust gegeben, berichtet das Simon-Wiesenthal-Zentrum weiter.

Vor seiner Flucht aus Ungarn 1949 hieß Polgar Jozsef Kardos. Zeit seines Lebens hat er jede persönliche Schuld zurückgewiesen. Zugleich leugnete er die nachgewiesene Verantwortung der Pfeilkreuzler-Partei für die Deportation ungarischer Juden in deutsche Vernichtungslager (im Bild: das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau).

500.000 Opfer in Ungarn
Die Pfeilkreuzler hatten nach ihrer Machtübernahme im Oktober 1944 zehntausende ungarische Juden deportiert und Tausende am Ufer der Donau erschossen. Bis März 1945 sollen 50.000 Juden von der Nazi- Partei ermordet worden sein. Dem Holocaust in Ungarn sind nach Angaben des Washingtoner Holocaust-Museums insgesamt rund 500.000 Menschen zum Opfer gefallen.