01.01.2016 20:26 |

Vorerst Entwarnung

München: "War wohl nicht der letzte Terroralarm"

Nach Angaben von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann gibt es nach dem Terroralarm in der Silvesternacht in München keine konkrete Anschlagsgefahr mehr. Man habe "keinen unmittelbaren Hinweis auf einen Anschlag heute oder morgen an einem bestimmten Ort", sagte Herrmann am Freitag. Allerdings gehe er wegen der allgemeinen Bedrohungslage davon aus, dass der Alarm zu Silvester "wahrscheinlich nicht der letzte gewesen sein wird". Er befürchte einen langwierigen Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat.

"Wir müssen uns wahrscheinlich auf eine längere Auseinandersetzung mit dem IS einstellen", sagte Herrmann vor Medienvertretern. Die islamistische Terrormiliz sei inzwischen eine weit vernetzte Organisation, die Al-Kaida in deren Rolle weltweit offenbar abgelöst habe.

"Konkrete" Warnung überschattete Silvesterfeiern
Die Silvesternacht in München war von einer "konkreten" Terrorwarnung überschattet. Wegen eines drohenden Anschlags des IS hatte die Polizei zwei Bahnhöfe evakuiert und die Menschen vor größeren Ansammlungen gewarnt. "Die Hinweise, die wir vom Bundeskriminalamt erhalten haben, bezogen sich auf geplante Selbstmordattentate am Münchner Hauptbahnhof und/oder am Bahnhof Pasing", sagte Herrmann.

Mittlerweile sei die Polizeipräsenz auf den Bahnhöfen reduziert worden. "Die Lage hat sich etwas entspannt, nachdem Gott sei Dank kein Anschlag verübt wurde. Wir haben in etwa wieder die Situation wie vor Silvester." Die Alarmbereitschaft aus der Nacht wurde aufgehoben, die Bahnhöfe sind wieder frei zugänglich, die Züge können planmäßig fahren. Es seien aber noch 100 Beamte zusätzlich im Einsatz, so der Minister.

Attentäter wollten sich paarweise in die Luft jagen
Herrmann verteidigte das Vorgehen der Münchner Polizei: Die Hinweise auf bevorstehende Anschläge seien "sehr konkret" gewesen und man habe sehr kurzfristig entscheiden müssen. "Wir kamen gemeinsam zu dem Ergebnis, das kann nicht einfach ignoriert werden." An der Überprüfung der bis zu sieben potenziellen Attentäter werde mit Hochdruck gearbeitet. Bei den Männern soll es sich laut dem Bayerischen Rundfunk um sieben namentlich bekannte Iraker handeln, die sich paarweise an den Anschlagsorten kurz hintereinander in die Luft sprengen wollten.

Trotzdem weiterhin unklar war, wie konkret die Hinweise auf die vermuteten Anschlagspläne wirklich gewesen waren. Der Münchner Polizeipräsident Hubertus Andrä sagte am Freitag, bei den akuten Terrorwarnungen hätten die Behörden von befreundeten Geheimdiensten auch die Namen der Verdächtigen übermittelt bekommen. Dies treffe auf etwa die Hälfte der potenziellen Attentäter zu. Andrä betonte aber: "Ob es die Personen tatsächlich gibt, wissen wir nicht." Man habe Namen genannt bekommen, habe die Männer aber weder in München noch sonst irgendwo lokalisieren können. Es soll sich um Syrer und Iraker handeln.

Ein Hinweis stammt aus dem Irak
Laut deutschen Medienberichten stammte einer der Hinweise auf die Gefahr eines Anschlags aus dem Irak. Der deutsche Bundesnachrichtendienst habe den Hinweisgeber dort selbst befragen können, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" in einer Vorabmeldung nach gemeinsamen Recherchen mit den Sendern WDR und NDR.

Die erste Information sei den Sicherheitsbehörden spätestens am 23. Dezember bekannt geworden, aber zunächst für unwahrscheinlich gehalten worden. Die Hinweise verdichteten sich dann aber. Eine konkrete Warnung für die Silvesternacht war nach dpa-Informationen zu Silvester vom französischen Geheimdienst übermittelt worden.

Innenminister De Maiziere verteidigt Terroralarm
Der deutsche Innenminister Thomas de Maiziere bezeichnete die Terrorwarnung in München als gerechtfertigt. "Die bayrischen Behörden haben mit Unterstützung der Bundespolizei umsichtig, besonnen und entschlossen gehandelt", sagte er am Freitag. Die am Donnerstag beim Bund eingegangenen Hinweise seien von den bayrischen Behörden und dem Bundeskriminalamt bewertet worden. Wie Herrmann betonte auch De Maiziere: "Die Lage in Europa und auch in Deutschland bleibt im neuen Jahr ernst. Die Sicherheitsbehörden gehen weiterhin von einer hohen Gefährdung durch den internationalen Terrorismus aus."

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