Fr, 17. August 2018

Spital bombardiert

25.11.2015 17:47

Kunduz: USA geben "menschliches Versagen" zu

Die USA haben beim Luftschlag gegen ein Krankenhaus der Organisation Ärzte ohne Grenzen im afghanischen Kunduz schwere Fehler eingeräumt. Der Angriff sei "eine direkte Folge menschlichen Versagens" gewesen, sagte der Befehlshaber der US-Streitkräfte in Afghanistan, John Campbell, am Mittwoch in Kabul. Das eigentliche Ziel des Bombardements sei ein Gebäude mit Aufständischen gewesen.

Bei dem Luftangriff am 3. Oktober waren mindestens 30 Menschen getötet worden, unter ihnen 14 Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen. Der Vorfall sorgte international für Empörung. Campbell legte nun den Abschlussbericht des Pentagons vor. Die Klinik sei "fälschlicherweise als Ziel identifiziert" worden, sagte der US-Oberkommandeur in Afghanistan. Eigentlich sollte demnach ein Hunderte Meter entferntes Gebäude bombardiert werden, in dem verfeindete Kämpfer vermutet wurden.

Verantwortliche Soldaten suspendiert
"Die Einsatzkräfte, die den Luftangriff anforderten, und diejenigen, die ihn ausführten, haben keine ausreichenden Maßnahmen ergriffen, um zu überprüfen, ob das Gebäude ein legitimes militärisches Ziel war", so Campbell. Die für den Angriff verantwortlichen Soldaten seien vom Dienst suspendiert worden. "Wir haben aus diesem schrecklichen Vorfall gelernt", betonte der US-General. Auf Grundlage des Berichts würden nun disziplinarische Maßnahmen eingeleitet.

Auch der afghanische Präsident Ashraf Ghani äußerte sich am Mittwoch erneut zu dem Angriff auf die Klinik. "Solche Fehler können und sollten vermieden werden", so der Staatschef. Der Vorfall verdeutliche aber auch "auf schmerzhafte Weise die Kosten eines Kriegs, der von Terroristengruppen und anderen Feinden Afghanistans angezettelt wurde".

Obama entschuldigte sich für fatalen Fehler
Nach dem Angriff vom 3. Oktober waren vorerst stark voneinander abweichende Erklärungsversuche geäußert worden. Zunächst hatte die NATO von einem "Kollateralschaden" gesprochen, der bei einer Intervention zugunsten angegriffener afghanischer Einheiten entstanden sei. Campbell hatte erst auf einen Hilferuf afghanischer Kräfte hingewiesen, bevor er einräumte, dass es einen Kontakt zwischen US-Sondereinheiten und dem angreifenden Flugzeug gab. US-Präsident Barack Obama gestand schließlich in einem Telefonat mit Joanne Liu, der Präsidentin von Ärzte ohne Grenzen, dass es sich bei dem Angriff um einen Fehler gehandelt habe, für den er um Entschuldigung bat.

Ärzte ohne Grenzen verlangte eine internationale Untersuchung und erklärte, es handle sich um ein "Kriegsverbrechen". Die NATO und die afghanische Armee leiteten eigene Untersuchungen ein. Die Lage des Krankenhauses in Kunduz war offenbar allen Konfliktparteien bekannt. Die afghanischen und die US-Streitkräfte hatten demnach die GPS-Koordinaten des Krankenhauses, das seit vier Jahren in Betrieb war. Es handelte sich um die einzige Klinik im Nordosten Afghanistans, in der schwere Kriegsverletzungen behandelt werden konnten. In der Klinik waren zum Zeitpunkt des Angriffs 105 Patienten in Behandlung, darunter verletzte Taliban-Kämpfer, aber auch Frauen und Kinder.

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