26.10.2015 19:00 |

Run auf Reisepässe

Immer mehr Menschen fliehen jetzt aus Syrien

Alarmierende Zahlen aus Syrien vor dem Hintergrund der Flüchtlingskrise in Europa: Bei den Behörden des Bürgerkriegslandes werden in stark zunehmendem Maße Reisepässe beantragt. Die Zahl der Anträge sei von durchschnittlich tausend pro Tag 2014 auf derzeit bis zu 5000 pro Tag gestiegen, hieß es am Montag in einem Medienbericht. Ein ähnlich hoher Anstieg bei den Reisepass-Anträgen war zuvor bereits in Afghanistan vermeldet worden. Bürger der beiden Länder bilden die beiden größten Gruppen von Flüchtlingen, die in die EU kommen.

In diesem Jahr seien in Syrien bisher 829.000 Pässe ausgestellt worden, rund 3000 pro Tag, berichtete die regierungsnahe Tageszeitung "al-Watan" am Montag unter Berufung auf das Ministerium für Auswanderung in Damaskus. Die dramatische Steigerung ist ein Indiz dafür, wie viele Menschen vor der Gewalt in Syrien fliehen wollen.

Für die syrische Regierung erweist sich der Run auf die Reisepässe allerdings als wahre Goldgrube. Das Regime von Machthaber Bashar al-Assad verdiente dem Bericht zufolge seit Jahresbeginn 2015 umgerechnet rund 470 Millionen Euro mit Reisepässen. Während die Ausstellung im Inland mit 15 Euro zu Buche schlägt, kostet sie im Ausland umgerechnet 363 Euro.

Gefälschte syrische Pässe kosten bis zu 5400 Euro
Wie "al-Watan" unter Berufung auf einen Vertreter des Ministeriums für Auswanderung weiter berichtete, verstärkte sich zudem die Nachfrage nach gefälschten syrischen Pässen - weil sie in Europa die Wahrscheinlichkeit einer Gewährung von politischem Asyl erhöhen. "Ein gefälschter syrischer Pass kostet heute zwischen 5000 und 6000 Dollar (4500 bis 5400 Euro)", sagte der Ministeriumsvertreter demnach.

Länder wie Schweden, Dänemark und Norwegen entsandten dem Zeitungsbericht zufolge Delegationen nach Syrien, um sich über Methoden im Kampf gegen gefälschte Pässe zu informieren. Die EU-Grenzschutzagentur Frontex hatte den Anteil der Fälschungen unter den syrischen Pässen Ende September auf etwa zehn Prozent geschätzt.

Anstieg bei Reisepass-Anträgen auch in Afghanistan
Auch in Afghanistan war indes zuletzt ein hoher Anstieg bei den Reisepass-Anträgen verzeichnet worden. Hätten im Frühjahr im Passamt in der Hauptstadt Kabul täglich rund 1000 Staatsbürger einen Reisepass beantragt, stieg diese Zahl mittlerweile auf etwa 5000 Antragsteller pro Tag, hieß es Ende September.

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