Mo, 20. August 2018

Feuer aufgeflammt

15.08.2015 16:37

Tianjin: Wieder Explosionen am Unglückssort

Neue Explosionen haben die Unglücksstelle auf dem Hafengelände in der nordchinesischen Metropole Tianjin erschüttert, wo zuvor mindestens 104 Menschen ums Leben gekommen sind. Wie die Nachrichtenagentur China News Service berichtete, sei am Samstag plötzlich wieder ein größeres Feuer aufgeflammt. Reporter vor Ort hätten sieben oder acht Explosionen gehört. Die Regierung ordnete Evakuierungen rund um die Unglücksstelle an - aus Angst, dass sich "toxische Substanzen ausbreiten" könnten.

Starker Rauch sei von mindestens drei Stellen hochgestiegen, berichtete die Agentur. Drei Tage nach den Explosionen in einem Gefahrgutlager mit Chemikalien schwelte an mehreren Stellen demnach immer noch Feuer.

Nach neuen Angaben kamen 104 Menschen ums Leben, mehr als 700 Menschen würden noch in Krankenhäusern behandelt, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua am Samstag.

Auf dem Hafengelände im Binhai Distrikt der Millionenmetropole waren in der Nacht auf Donnerstag tonnenweise Chemikalien explodiert, was schwere Zerstörungen angerichtet hatte. Die Explosionen waren kilometerweit zu spüren, in einem kilometerweiten Umkreis gibt es Schäden.

Die Bergungsarbeiten kommen angesichts der anhaltende Gefahr durch die Chemikalien nur langsam voran. Mehr als 1.000 Feuerwehrleute sind im Einsatz. Ein Team von Militärspezialisten im Umgang mit gefährlichen Chemikalien rückte am Samstag ins Trümmergebiet vor, um nach Überlebenden zu suchen, wie Xinhua berichtete.

Mann lebend geborgen
50 Meter vom Zentrum der Explosionen entfernt soll Berichten zufolge tatsächlich ein Mann lebend gefunden worden sein. Spezialisten des Militärs hätten den Verletzten mittleren Alters geborgen, berichtete Xinhua.

Angehörige stürmten Pressekonferenz
Nie zuvor in der Geschichte der Volksrepublik sind bei einem Unglück so viele Feuerwehrleute ums Leben gekommen wie in Tianjin: 21 starben, 13 Retter und eine unbekannte Zahl von Hafenarbeitern wurden am Samstag noch vermisst. Aus diesem Grund stürmten aufgebrachte Angehörige von vermissten Feuerwehrleuten eine Pressekonferenz und wurden von Sicherheitskräften zurückgedrängt.

Ohne ausreichende Informationen im Einsatz
Die Feuerwehrleute waren zu dem Einsatz in dem Gefahrgutlager gerufen worden, ohne zu wissen, was dort brannte oder gelagert war. Auch setzten sie Wasser ein, was bei Chemikalien wie dem unter anderem dort gelagerten hochgiftigen Natriumcyanid explosive Reaktionen auslösen kann. Die hohe Opferzahl löste Diskussionen aus, ob Feuerwehrleute für solche Situationen ausreichend ausgebildet sind.

Zehntgrößter Hafen der Welt
Der Hafen der 15-Millionen-Metropole Tianjin im Nordosten Chinas ist der zehntgrößte der Welt. Das Unglück ist ein schwerer Schlag für das Wirtschaftszentrum Tianjin: Der Binhai-Distrikt trägt zu 55 Prozent zur Wirtschaftsleistung der gut eine Stunde von Peking entfernt gelegenen Stadt bei. Der Hafen ist ein wichtiger Umschlagplatz: Tausende Autos, darunter Volkswagen und Renault, wurden zerstört. VW verlagerte seine Neuwagen-Transporte nach dem Unglück nach Shanghai und Guangzhou, wie Xinhua berichtete. 40 Prozent aller importierten Autos kamen über den Hafen von Tianjin nach China.

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