So, 19. August 2018

"Ablaufdatum"

28.01.2015 11:12

Top-Ökonom warnt: "Der Euro wird zur Weichwährung"

Euro-Krise, Schuldenschnitt und "Grexit" – die europäische Wirtschaft erlebt stürmische Zeiten. Der Euro befindet sich auf Talfahrt und die Ankündigung des neuen griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras, die Sparpolitik zu beenden, lässt die Kurse weiter fallen. Der ehemalige Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer, erklärt, warum der Weiterbestand der Währungsunion ein Risiko darstellt. Platzt die Euro-Bombe doch eines Tages?

"Es gilt die Weisheit des ehemaligen Chefvolkswirts der Europäischen Zentralbank (EZB), Otmar Issing: 'In der Geschichte hat noch keine Währungsunion souveräner Staaten überlebt'", erklärt Thomas Mayer gegenüber dem "Focus". Der Euro als einheitliche Währung einer Staatenunion hat seiner Meinung nach ein Ablaufdatum – wenn auch ein langsames und weit entferntes: "Die Entwicklung zur Weichwährung wird langsam und schleichend verlaufen." Der Kurs einer weichen Währung ist nicht nur sehr instabil, auch die höhere Inflation macht den jeweiligen Staaten zu schaffen - wie etwa in Italien und Spanien vor der Euro-Einführung.

Das Problem liegt, so der Ökonom, in der Art und Weise, wie sich die Währungsunion, besonders seit der Griechenland-Krise, verändert hat: "Wir bauen die EZB zu einer Staatszentralbank um, die Staaten im Notfall finanziert. Früher wirkte sie wie eine intelligente Goldmine, die man nur im Notfall begrenzt anzapfen kann. Heute wirkt sie wie der Teil einer Wirtschaftsregierung für die EWU." Damit werde der Euro zu "Staatsgeld", so Mayer.

"Kein Staat kann Euro als Staatsgeld halten"
Das Problem an der Sache: "Es gibt keinen Euro-Staat, der den Euro als Staatsgeld langfristig erhalten kann. Wir haben zwar Verträge und Institutionen, die eine Art Schattenstaat bilden. Aber dieser Schattenstaat ist ein Papiertiger ohne Biss", erklärt Mayer. Die einzelnen Staaten der Euro-Zone hätten zu unterschiedliche Auffassungen, was ihre wirtschaftliche Ausrichtung angehe: "Unter diesen Umständen wird eine gemeinsame Geldpolitik sehr schwierig."

Der ehemalige Chefvolkswirt der Deutschen Bank rechnet außerdem damit, dass nun unter der neuen Regierung von Griechen-Premier Alexis Tsipras die Konditionen für die Hilfszahlungen an Athen weichgespült werden: "In dieser Situation wird die EZB immer mehr zur Klammer, die das ganze Gebilde zusammenhalten muss."

"Warum sollten die Griechen austreten?"
Einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone erwartet Mayer nicht: "Eine große Mehrheit der griechischen Bevölkerung will den Euro behalten. Und warum sollten die Griechen auch austreten? Sie haben doch alles bekommen, was sie wollten. Die Troika hat sich flexibel gezeigt, was die Konditionalität der Hilfe angeht." Seine Ferien würde er daher ohne Bedenken auf einer griechische Insel verbringen: "Warum nicht? Ich erwarte keinen 'Grexit', und falls er doch käme, wäre der Urlaub billiger."

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