24.02.2006 15:54 |

Berlinale-Gewinner

Im Kino: "Grbavica - Esmas Geheimnis"

Der große Sieger der Berlinale 2006 jetzt im Kino: Mit sehr viel Sensibilität widmete sich die Regisseurin Jasmila Zbanic, von der auch das Drehbuch stammt, in ihrem ersten Spielfilm den Folgen des Krieges in Bosnien-Herzegowina. Im Mittelpunkt der Films stehen die Mutter Esma und ihre Tochter Sara, die eines Tages erfährt, dass sie bei einer Vergewaltigung in einem Gefangenenlager gezeugt wurde. Der Streifen wurde von der Wiener Produktionsfirma Coop99 mit Partnern aus Bosnien, Kroatien und Deutschland produziert.

Jasmila Zbanic wurde 1974 in Sarajevo geboren und ist Absolventin der Academy of Dramatic Arts in Sarajevo, Fakultät Theater und Filmregie. Vor ihrer Tätigkeit als Drehbuchautorin und Regisseurin arbeitete sie als Puppenspielerin am "Bread and Puppet" Theater in Vermont und als Clown. "Ich glaube, ich träume und wache in Kürze in Sarajevo auf", sagte sie in ihrer Dankesrede in Berlin. Sie erinnerte daran, dass Kriegsverbrecher wie Ratko Mladic und Radovan Karadzic, die für die organisierte Vergewaltigung von 20.000 Frauen und den Tod so vieler Menschen verantwortlich seien, noch immer auf freiem Fuß sind: "Auch das ist Europa, und niemand ist daran interessiert, sie zu verhaften."

Die österreichische Filmregisseurin Barbara Albert wurde als Produzentin gemeinsam mit ihren Kollegen Martin Gschlacht, Antonin Svoboda und Jessica Hausner von der Wiener coop99 auf die Berlinale-Bühne geholt: "Es war eine sehr intensive und schöne Arbeit. Ich habe Jasmila vor zehn Jahren in Sarajevo kennen gelernt, in einer Stadt, die damals zerstört war und in der es damals nicht vorstellbar, dass wir einmal hier stehen könnten. Ich hoffe, dass sich viele Menschen dadurch mit dem Thema befassen werden. Ich hoffe, wir werden durch diesen Film mehr über etwas sprechen können, das noch immer ein Tabu ist: Vergewaltigung als psychologische Kriegsführung."

Dienstag, 11. Mai 2021
Wetter Symbol