Di, 23. Oktober 2018

Nahe Ferguson

25.12.2014 08:58

Erneut schwarzer Teenager von Polizist erschossen

In den USA hat erneut ein Polizist einen schwarzen Jugendlichen erschossen. Laut Angaben der Polizei ereignete sich der Vorfall am späten Dienstagabend in einer Vorstadt von St. Louis im Bundesstaat Missouri - nicht weit entfernt von Ferguson, wo Anfang August der unbewaffnete Michael Brown von einem Polizisten erschossen worden war. Sein Tod hatte landesweite Proteste gegen Rassismus ausgelöst.

Zu den Schüssen am Dienstag sei es vor einer Tankstelle in Berkeley gekommen, teilte die Polizei mit. Bei einer Routinekontrolle seien Beamte auf zwei junge Männer gestoßen, von denen einer eine Waffe auf die Polizisten gerichtet habe. Der Beamte habe demnach in Notwehr gehandelt. "Um sein Leben fürchtend hat der Polizist mehrere Schüsse abgegeben, die Person getroffen und tödlich verletzt", hieß es.

Den Namen des Erschossenen gaben Behördenvertreter mit Antonio Martin an. Der 18-Jährige war laut Polizei wegen Körperverletzung und mutmaßlichen Raubüberfällen bekannt. Bei dem Polizisten handelt es sich nach Polizeiangaben um einen 34-jährigen weißen Beamten, der seit sechs Jahren im Dienst ist. Weder trug er seine "Body Camera" noch war die Kamera in seinem Wagen eingeschaltet. Am Tatort sei eine Waffe sichergestellt worden. Der zweite junge Mann sei geflüchtet, eine Untersuchung sei eingeleitet worden.

Gewaltsame Kundgebung mit Plünderungen
Nach den Schüssen versammelten sich rund 300 wütende Demonstranten in der Nähe der Tankstelle und gerieten mit der Polizei aneinander. Die Sicherheitskräfte setzten Pfefferspray ein. Eine kleine Gruppe plünderte einen Laden unweit von dort. Mindestens ein Polizist wurde verletzt und ins Krankenhaus gebracht. Es gab mehrere Festnahmen.

Der Bürgermeister von Berkeley, Theodore Hoskins, erklärte, der Vorfall könne nicht mit dem Tod von Michael Brown verglichen werden. "Manche Leute sterben, weil der Polizist angefangen hat, manche sterben, weil sie angefangen haben." Nach derzeitigem Stand der Ermittlungen sehe es danach aus, dass die Polizei "nicht angefangen hat", sagte Hoskins. Er betonte vor Reportern, die meisten Stadtbeamten und Polizisten in der 9.000-Einwohner-Stadt Berkeley seien Afroamerikaner. Die Einwohner des Vorortes von St. Louis sind zu 85 Prozent schwarz.

Massendemos nach mehreren Todesfällen
Anfang August war der 18-jährige Brown in Ferguson, ebenfalls eine Vorstadt von St. Louis, von einem weißen Polizisten erschossen worden, obwohl er unbewaffnet war. Neben Browns Tod hatten mehrere Todesfälle von Schwarzen durch Polizeigewalt in den USA zuletzt für Empörung gesorgt und zu landesweiten Massenprotesten geführt. In mehreren Fällen wurde die Strafverfolgung der Täter von sogenannten Grand Jurys gestoppt, die überwiegend aus weißen Laienrichtern bestanden. Bei den Demonstrationen wurde daher auch eine grundlegende Justizreform gefordert.

Indes hat für den Silvesterabend ein Bündnis gegen Polizeigewalt gegen Schwarze zu einer Großkundgebung am New Yorker Times Square aufgerufen. Damit widersetzten sich die Aktivisten einem Appell von Bürgermeister Bill de Blasio, nach dem Doppelmord an zwei Streifenpolizisten vor einigen Tagen ein Demonstrationsmoratorium einzuhalten. Auf dem Times Square findet traditionell eine der weltweit bekanntesten öffentlichen Silvesterpartys statt.

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