19.02.2006 16:11 |

Ziemlich oft

In Österreich wird jährlich 40.000 Mal abgetrieben

In Österreich kommt es jährlich zu rund 30.000 bis 40.000 Schwangerschaftsabbrüchen. Das schätzt der Gynäkologe Christian Fiala, Leiter der Salzburger Gynmed Ambulanz in einem Interview mit der Austria Presse Agentur. Damit liegt Österreich im EU-Vergleich im vordersten Feld.

Ein Vergleich: Schweden hat - bei einer Einwohnerzahl von rund acht Millionen - etwa 32.000 Abbrüche. Die geringste Zahl (29.000) an Schwangerschaftsabbrüchen verzeichnet Holland - allerdings bei einer Einwohnerzahl von 16 Millionen.

Kosten für Verhütungsmittel bei uns enorm hoch
Dass es in Österreich nicht einmal für Sozialhilfeempfänger kostenfreie Verhütungsmittel gebe, bleibt für Fiala unverständlich. Die Kosten sind in Österreich im europäischen Vergleich ziemlich hoch: Hierzulande müssen die Frauen durchschnittlich 400 - 500, aber auch bis zu 1.000 Euro pro Jahr für eine zuverlässige Verhütungsmethode berappen.

In Frankreich belaufen sich die Kosten auf 145 bis 200 Euro und müssen von der Frau nicht selbst aufgebracht werden. Fiala plädiert daher auch in Österreich für eine Kostenübernahme von Abbrüchen durch die Krankenkassen bzw. ein kostenfreier Zugang zu Verhütungsmitteln.

Salzburger Spital führt täglich Abbrüche durch
Seit April 2005 gibt es in Salzburg auch die Möglichkeit im öffentlichen St. Johanns Spital einen Schwangerschaftsabbruch durchführen zu lassen. In den ersten sechs Monaten wurden insgesamt 382 Frauen behandelt. 29 Prozent dieser Frauen befanden sich bereits in der 10. bis 14. Schwangerschaftswoche.

Am stärksten vertreten war bisher die Altersgruppe zwischen 20 und 35 Jahren. Grundsätzlich kann in Österreich jeder Arzt im niedergelassenen Bereich einen Abbruch durchführen, aber er ist dazu gesetzlich nicht verpflichtet.


Foto: Abtreibungspille/APA

Samstag, 12. Juni 2021
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