19.11.2014 12:59 |

Männerspielplatz

"Far Cry 4": Action-Hit in luftiger Höhe im Test

Freunde ausgedehnter Open-World-Abenteuer haben wieder etwas zu tun. Ubisoft schickt sie im neuesten Ableger der "Far Cry"-Reihe nicht etwa in tropische Urwälder, sondern ins fiktive Himalaya-Königreich Kyrat. Und zwar nicht nur, um die – so viel sei gesagt – wunderhübsche Landschaft zu bewundern, sondern auch, um das Volk Kyrats von seinem tyrannischen Diktator zu befreien. Wie sich das Bergsteiger-"Far Cry" spielt, hat krone.at getestet.

Im neuesten Teil der Shooter-Reihe schlüpft der Spieler in die Haut von Ajay Ghale, einem im US-Exil lebenden Abkömmling Kyrats. Dass er sich ins Land seiner Vorfahren aufmacht, hat einen traurigen Grund: Der letzte Wunsch seiner verstorbenen Mutter war, dass ihre Asche an einem heiligen Ort im Bergkönigreich verstreut wird.

Markanter Unhold, heftiger Bürgerkrieg
Also entscheidet sich Ajay entgegen aller Warnungen für die Reise in das vom Bürgerkrieg gebeutelte Land – und gerät gleich zu Beginn von "Far Cry 4" in die Fänge des exzentrischen Herrschers Pagan Min. Dieser im Stil klassischer Bond-Bösewichte gehaltene Unhold im rosa Anzug regiert den Norden von Kyrat mit eiserner Hand und unterdrückt die Bevölkerung mit Propaganda und einer bis an die Zähne bewaffneten Privatarmee.

Den Rebellen des "Goldenen Pfades" verdankt es Ajay, dass er aus Mins Gefangenschaft befreit wird – und erfährt, dass seine Eltern einst von größter Wichtigkeit für Kyrat waren. Es beginnt eine Helden-Story, in der Ajay das Bergkönigreich Stück für Stück von Mins Schergen befreien und Ruhe und Frieden wiederherstellen muss. Die eine oder andere unverhoffte Wendung, viele schräge und interessante Charaktere, die Handlung beeinflussende Entscheidungen und die bereits aus dem Vorgänger bekannten Drogentrip-Visionen inklusive.

Riesige Spielwelt voller Leben
Dass sich die Handlung – wer alle Nebenmissionen abschließt und Kyrat bis in den letzten Winkel erforscht, wird Dutzende Stunden bis zum Ende brauchen – nicht abnutzt, ist nicht nur dem gelungenen Gameplay, sondern insbesondere der riesigen und abwechslungsreichen offenen Spielwelt geschuldet. Da reihen sich Täler mit kristallklaren Seen und üppigen Wiesen an dichte Wälder, in den Steilhängen Kyrats liegen mit Propagandaplakaten verunstaltete Siedlungen im tibetischen Stil und im späteren Spielverlauf gibt es Ausflüge auf die Gipfel des Himalaya.

Trotz ihrer Größe ist die Welt von "Far Cry 4" nicht steril, sondern voller Leben. Propagandatürme, die Ajay erobert, um neue Bereiche der Karte aufzudecken, sind überall im Land verstreut. Ebenso Rebellendörfer und einzelne Niederlassungen. Außenposten der Schergen von Pagan Min wollen zerstört, unzählige Nebenaufträge absolviert werden. Und mittendrin gibt's eine üppige, wenn auch ein bisserl wild zusammengewürfelte Tier- und Pflanzenwelt, die Ajay für seine Zwecke nutzen kann.

Spielerische Freiheit, lange Laufwege
Auf dem Rücken eines Elefanten feindliche Lager zu zertrampeln oder Raubtiere auf Gegner zu hetzen, macht reichlich Laune. Und auch das umfangreiche Waffen- und Fahrzeug-Arsenal steht der Welt von Kyrat gut zu Gesicht. Im Grunde gibt es wenig, was es nicht gibt. Die Folge: große spielerische Freiheit. Wer mag, kann in Rambo-Manier Gegner lautlos mit Kampfmesser und Bogen ausschalten, die Brachialo-Methode mit Sturmgewehr und Granaten ist aber ebenso möglich. Die Welt mit Quad, Auto, Hovercraft oder Mini-Heli erforschen und beim Fahren Gegner aus dem Verkehr ziehen? Kein Problem.

Langweilig wird das kaum – höchstens, weil die Wege zwischen den Missionen in Kyrat mitunter ganz schön lang sind und viel Spielzeit für Fahren und Laufen draufgeht. Dafür motiviert "Far Cry 4" mit einem gelungenen Crafting- und Upgrade-System. Ajay sammelt auf seiner Reise Erfahrungspunkte, häutet Tiere, sammelt Pflanzen und plündert Kisten. Mit den erbeuteten Materialien werden Waffengurte, Geld- und Munitionsbeutel sowie Heilspritzen hergestellt. Mit dem Geld werden Schießprügel, Waffen-Upgrades und andere Items eingekauft. Und mit der Erfahrung verbessert der Protagonist seine Talente – wahlweise defensiv, etwa durch mehr Trefferpunkte oder eine dickere Panzerung, oder aggressiv, etwa durch neue Finishing-Moves.

Klingt komplex? Ist es auch – für Shooter-Verhältnisse zumindest. Bis man die ganzen Möglichkeiten, die Ajay in Kyrat hat, verinnerlicht hat, dauert es eine Weile. Und bis man sich daran gewöhnt hat, dass die Felswände Kyrats nur an vordefinierten Stellen erklommen werden können, was häufig in ziemlich lange Umwege am Weg zum Ziel mündet, dauert es noch länger. Trotzdem fesselt "Far Cry 4" mit seinem gelungenen Mix aus prächtiger offener Spielwelt, interessanter Handlung und spielerischer Freiheit problemlos über Stunden an den Bildschirm. "Nur noch diese eine Nebenmission, nur noch dieser eine Propagandaturm", sagt man sich – und prompt ist es tief nachts.

Gelegentliche Physik-Schwächen, tolle Optik
Wo viel Licht ist, gibt es freilich auch Schatten. Dazu zählt beispielsweise ein nicht immer zuverlässiges Physik-System. Beim Testen passierte es uns mehr als einmal, dass ein Gegner bei einem Treffer mit Pfeil und Bogen mehrere Meter durch die Luft geschleudert wurde, als hätten wir ihn mit dem Elefanten gerammt. Und auch an der teils gewöhnungsbedürftigen Fahrphysik der Vehikel könnte sich manch ein Spieler stören. Das ist aber Kritik auf hohem Niveau – zumal das Spiel in der getesteten PS4-Version erfreulich bugfrei ist und auch die Gegner-KI bis auf wenige Aussetzer gut funktioniert.

Nichts auszusetzen gibt's an der Optik von "Far Cry 4". Im Gegenteil: Angesichts der Weitläufigkeit der Spielwelt ist es beachtlich, mit welchem Detailgrad Ubisofts Designer sie erstellt und mit Leben gefüllt haben. Scharfe Texturen, gelungene Lichteffekte, spektakuläre Feuer und Explosionen, und all das in einer mehr als hübschen Landschaft – was begehrt das Auge mehr? Na gut, die Charaktermodelle – und insbesondere deren Gesichter – könnten auf der PS4 etwas detaillierter sein, was wohl dem Umstand geschuldet ist, dass das neue "Far Cry" nicht Next-Gen-exklusiv entwickelt wurde, sondern auch noch für die alte Konsolengeneration auf den Markt kommt. Alles in allem ist "Far Cry 4" aber trotzdem eine Augenweide geworden.

Stimmungsvoller Sound, kooperativer Multiplayer
Eine gelungene Soundkulisse fügt sich ins stimmige Gesamtbild ein: Die Protagonisten sind in der deutschen Version professionell vertont und klingen bis auf wenige Ausnahmen so, als wäre es ihnen ernst. Die Soundeffekte sind gut getroffen und die Spielmusik – zu hören unter anderem beim Autofahren übers Radio – wird zwar nicht jedermanns Geschmack treffen, passt aber bestens ins Himalaya-Setting.

Für Mehrspieler-Fans bietet "Far Cry 4" unter anderem einen kooperativen Mehrspielermodus, bei dem ein Freund in der Kampagne mitmischen darf, und Team-Schlachten mit zwei ungleichen Mannschaften. Der Fokus des Spiels liegt jedoch klar auf dem Einzelspielererlebnis und der Handlung, Wunder sollte man sich vom Mehrspielermodus also nicht erwarten.

Fazit: "Far Cry 4" lockt Freunde der Serie mit altbekanntem Gameplay, spielerischer Freiheit und einer Vielzahl von Möglichkeiten in die wunderhübsch in Szene gesetzte Bergwelt von Kyrat. Die Story mit ihren coolen Charakteren und die zahllosen Nebenaufträge fesseln für viele Stunden, Soundkulisse und Optik überzeugen – und die Welt ist im Grunde nichts anderes als ein riesiger Abenteuerspielplatz für Erwachsene. Klar gibt es ein paar Haare in der Suppe – etwa die viele Zeit, die für das Reisen aufgewendet wird, einzelne Physik-Aussetzer, oder die teils etwas detailarmen Charaktermodelle. Das ist aber Kritik auf hohem Niveau und ändert nichts daran, dass "Far Cry 4" ein exzellenter Open-World-Shooter geworden ist.

Plattform: PC, PS3, PS4 (getestet), Xbox 360, Xbox One
Publisher: Ubisoft
krone.at-Wertung: 9/10

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