Mi, 19. September 2018

Gut abgeschaut

19.10.2014 09:00

"Mittelerde: Mordors Schatten" im Test

"Herr der Ringe"-Fans mit einem Faible für Rachefeldzüge gegen fiese Orks und ihren Obermotz Sauron können in Warners neuem Schnetzelabenteuer "Mittelerde: Mordors Schatten" jetzt in Gestalt von Waldläufer Talion reichlich Grünhäute meucheln. Wie sich das mit offener Spielwelt, eingängigem Kampfsystem und reichlich Kletterpassagen versehene Game spielt, hat krone.at ausführlich getestet.

Die Story von "Mordors Schatten" handelt von Schmerz, Verlust – und Rache. Gondors Waldläufer Talion, der als Wächter am Schwarzen Tor nach Mordor seinen Dienst verrichtet, wird eines Nachts von der Rückkehr Saurons und seiner Ork-Schergen überrascht. Die marodierenden Horden überrennen die wenigen Elite-Wächter am Tor und nehmen Talion alles, was ihm lieb und teuer ist: seine Familie und sogar sein Leben.

Elbengeist und Waldläufer im selben Körper
Fast könnte man glauben, das Spiel wäre vorbei, bevor es richtig begonnen hat. Wäre da nicht ein Elbengeist, der von Talion Besitz ergreift und ihn in einen geheimnisvollen Rachegeist verwandelt, für den der Tod keine große Bedeutung mehr hat. Das ungleiche Duo in einer Person startet einen Rachefeldzug quer durch Mordor und mischt Saurons Ork-Armee fortan gehörig auf.

Eine durchaus spannende Handlung, der es allerdings ein wenig an Tiefgang fehlt: Interessante menschliche Charaktere abseits von Talion und seinem Elbengeist sind rar gesät, die Erzählung ist zwar durchaus spektakulär, aber nur teilweise mitreißend inszeniert. Dem Spielspaß tut das aber glücklicherweise wenig Abbruch, die Stärke von "Mordors Schatten" ist nämlich klar der Spielfluss an sich.

Reichlich Anleihen bei anderen Erfolgs-Games
Und bei dem haben sich die Programmierer des Entwicklerstudios fleißig bei anderen Games bedient und so einen recht ansprechenden und zugänglichen Mix aus Schleich-, Kletter- und Schwertkampf-Action geschaffen. Die Schleich-, Parkour- und Klettereinlagen erinnern frappierend an Ubisofts "Assassin's Creed"-Reihe. Und das Kampfsystem wurde von den "Arkham"-Spielen mit Batman inspiriert.

Gestört hat uns das im Test nicht. Die bekannten Elemente aus anderen Serien wurden fachmännisch zu einem stimmigen Gesamtpaket zusammengesetzt und zeigen kaum Schwächen. Die Kletter-, Sprint- und Schleichpassagen werden durch simples Rennen gelöst, während der für Sprints oder Schleichen bestimmte Knopf am Gamepad gedrückt gehalten wird. Und beim Kämpfen beschränken wir uns aufs Austeilen von leichten Attacken und Spezialangriffen sowie das Blocken auf Knopfdruck im richtigen Moment.

Motivierendes Talentsystem, karge Spielwelt
Dass "Mordors Schatten" den Spieler auf Dauer bei der Stange hält, verdankt es einem motivierenden Talentsystem, das Talion mit zunehmender Erfahrung immer stärker macht. Während der Waldläufer anfangs noch ganz schön mit den Orks von Mordor zu tun hat, schnetzelt er sich im Spielverlauf mit immer mehr Spezialfähigkeiten durch die Horden. Seine Ausrüstung kann zwar nicht im großen Stil modifiziert werden, allein das Talentsystem motiviert aber schon zum Weiterspielen.

Die Spielwelt selbst ist frei begehbar und hält in den verstreuten Ork-Camps und Ruinen jede Menge Aufträge und Boss-Fights gegen besonders starke Ork-Hauptmänner bereit. Schade: Gerade zu Beginn mangelt es im finsteren Mordor ein wenig an optischer Abwechslung, was aber auch daran liegen mag, dass Mordor nun einmal auch in der Romanvorlage ein karges und hässliches Fleckchen Erde ist.

Fehden und soziale Experimente in der Ork-Armee
Ein unterhaltsames Feature, das "Mordors Schatten" von Konkurrenztiteln abhebt, ist das sogenannte "Nemesis"-System. Das regelt die Rangfolge innerhalb der Ork-Armee und belohnt Orks, die besonders erfolgreich gegen Talion kämpfen, indem sie höhere Ränge einnehmen. Gerade im späteren Spielverlauf entstehen so richtige Fehden zwischen Talion und seinen Erzfeinden, die wohltuend aus dem restlichen Ork-Kanonenfutter herausragen. Kleiner Schönheitsfehler: Die künstliche Intelligenz der Orks ist eher bescheiden, zu gefährlichen Gegnern werden sie üblicherweise eher durch Masse statt Klasse.

Weil Talion besiegte Gegner auf Wunsch einer Gehirnwäsche unterziehen und sie so auf seine Seite ziehen kann, darf der Waldläufer auch Maulwürfe in die Ork-Armee einschleusen, welche die Drecksarbeit für ihn erledigen. Das sorgt bisweilen für besonders heitere Momente – etwa, wenn ein besonders verhasster Ork-Hauptmann von den eigenen, von Talion manipulierten Mannen gemeuchelt wird und diese dann in der Ork-Hierarchie emporsteigen, obwohl sie in Wahrheit gegen die ihren kämpfen.

Grundsolide Optik, atmosphärischer Sound
Optisch weiß "Mordors Schatten" gut zu gefallen, wenngleich es in der getesteten PS4-Version nicht mit extra für die neueste Konsolengeneration entwickelten Schönheiten wie etwa "Infamous: Second Son" mithalten kann. Die Texturen sind scharf, die Animationen geschmeidig, die Charaktermodelle relativ detailliert und die Wetter- und Lichteffekte hübsch. Ein bisserl mehr Details hätte man der neuen Konsolengeneration aber sicher entlocken können.

Am Sound haben wir nichts auszusetzen. Der Soundtrack fügt sich tadellos ins "Herr der Ringe"-Universum ein, die Umgebungs- und Kampfgeräusche sind gut getroffen und sogar die deutschen Synchronsprecher machen ihre Sache gut. So entsteht – auch wenn erzählerisch etwas mehr drin gewesen wäre – eine Kulisse, die den Spieler schnell in ihren Bann zieht.

Die Steuerung ist eingängig und dürfte all jenen, die schon einmal ein "Assassin's Creed" oder ein "Arkham"-Spiel probiert haben, bekannt vorkommen. Entsprechend schnell ist sie verinnerlicht und gemeistert. Zudem erwies sie sich im Test auch als erfreulich präzise, was beim Ork-Meucheln ein nicht zu unterschätzender Vorteil ist.

Fazit: Lieber gut kopiert, als schlecht gemacht
Diese alte Weisheit trifft perfekt auf "Mordors Schatten" zu. Bis auf sein unterhaltsames Nemesis-System bringt das "Herr der Ringe"-Game wenig Neuerungen. Die Schleich-, Kletter- und Meucheleinlagen erinnern frappierend an "Assassin's Creed", die Kämpfe an die letzten "Batman"-Games.

All das ist allerdings so gut umgesetzt und zu einem Gesamtpaket verknüpft worden, dass es spielerisch wenig zu meckern gibt. Bis auf ein paar kleine Schwächen – die eher nicht so mitreißende Story, die teils kargen Gebiete, die künstliche Intelligenz der Orks – macht "Mordors Schatten" alles richtig, wodurch es nicht nur für "Herr der Ringe"-Fans ein mehr als kurzweiliger Zeitvertreib ist.

Plattform: PC, PS3, PS4 (getestet), Xbox 360, Xbox One
Publisher: Warner Bros.
krone.at-Wertung: 8/10

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