Sa, 23. Juni 2018

Goalie als WM-Held

06.07.2014 12:12

Niederländer feiern ihren "Elferkiller" Tim Krul

Der Titeltraum der Niederländer geht weiter, Costa Ricas Fußball-Märchen ist zu Ende. Mit einem 4:3 in einem dramatischen Elfmeterschießen wahrten Arjen Robben und Co. die Chance auf den ersten WM-Gewinn für die Niederlande. Am Mittwoch wartet im Halbfinale Argentinien. Mann des Spiels war der in den Schlussminuten eingewechselte Torhüter Tim Krul, der zwei Elfmeter parierte und von seinen Kollegen entsprechend gefeiert wurde.

Der Goalie von Newcastle United entschärfte die Versuche von Bryan Ruiz und Michael Umana, damit zog die "Elftal" am Samstag vor 51.179 Zuschauern in Salvador mit Glück zum insgesamt fünften Mal in ein WM-Halbfinale ein. Nach regulärer Spielzeit und Verlängerung war es 0:0 gestanden. Bei einem weiteren Erfolg am Mittwoch in Sao Paulo über Argentinien stünde Holland wie schon vor vier Jahren in Südafrika im Endspiel.

Im ersten Duell beider Mannschaften überhaupt waren die Rollen von Beginn an klar verteilt. Wie erwartet übernahmen die Niederländer die Regie, Costa Rica verlegte sich aufs Kontern. Zum wiederholten Mal entpuppten sich die Mittelamerikaner als unangenehmer, in der Defensive perfekt aufgestellter Gegner. Immer wieder versperrten Schienbeine, Knie oder andere Körperteile den Weg der niederländischen Schüsse - und wenn nicht, war Goalie Keylor Navas zur Stelle.

Auch in der Verlängerung blieben die Niederländer ihrer Abschlussschwäche treu, zahlreiche Chancen blieben ungenutzt. So war einmal sogar der mittlerweile schon recht ausgelaugte Gegner dem Siegtreffer näher: In der 116. Minute musste Torhüter Jesper Cillessen in höchster Not gegen Marco Urena klären.

Van Gaal gelingt Glücksgriff
Daher war es an Louis van Gaal, das Spiel mit einem außergewöhnlichen Schachzug zu entscheiden. In der zweiten Hälfte der Verlängerung schickte der Bondscoach Ersatzgoalie Krul zum Aufwärmen, in der Nachspielzeit wechselte er den 26-Jährigen ein. "Es war vorher geplant, Tim einzuwechseln, wenn es zum Elfmeterschießen kommt. Jeder Spieler im Team hat besondere Qualitäten. Und wir fanden alle, dass Tim der bessere Torwart wäre, um Elfmeter zu halten. Er hat eine große Reichweite", sagte van Gaal. "Ich glaube, ich habe nicht die schlechteste Wahl getroffen."

Für Krul ging ein Kindheitstraum in Erfüllung
"Das ist nicht normal. Da sitzt du die ganze Zeit draußen und dann kommst du rein und sollst das Halbfinale retten. Ein Kindheitstraum geht in Erfüllung", konnte der Matchwinner sein Glück kaum fassen. Zweimal wehrte Krul in der von ihm aus gesehenen linken Ecke ab. Außerdem trug sein Theater vor den Elfmetern - er ließ sich extrem viel Zeit auf dem Weg ins Tor, ging zu den Schützen und provozierte sie - möglicherweise zur weiteren Verunsicherung der Costa Ricaner bei.

"Das ist bizarr. Der Wechsel am Ende war genial. Wir wissen, dass Tim stark beim Elfmeterhalten ist. Er hat zweimal fantastisch reagiert", jubelte Stürmer Robin van Persie. "Jedes Lob für ihn, er hat es fantastisch gemacht", sagte Arjen Robben, der wieder unermüdlich lief, mit seinen Abschlüssen aber kein Glück hatte. Krul blieb in der Stunde seines großen Triumphes bescheiden. "Das Geheimnis ist es, lange stehen zu bleiben", sagte der 26-Jährige.

Für Krul war es einer seiner seltenen Einsätze im Teamtrikot. Erst sechs Länderspiele hat der 1,93-Meter-Mann aus Den Haag zu Buche stehen. Sein erstes Länderspiel bestritt er 2011, danach reichte es nur zum Ergänzungsspieler. Über die Statistik lässt sich sein Ruf als "Elfmeter-Killer" übrigens nicht herleiten. Laut mehreren Webseiten konnte er während seiner Zeit bei Newcastle nur zwei von 20 Penaltys abwehren - was dafür sprechen würde, dass van Gaals Entscheidung, ihn zu bringen, mehr auf Intuition denn auf harten Fakten beruhte.

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