Riesenschock im Hanusch-Krankenhaus: Am 3. Dezember marschierte eine 32-Jährige mit einem Kanister stark stinkender Flüssigkeit in einen Behandlungsraum – Buttersäure! Die schüttete sie ihrem Arzt ins Gesicht. „Ich wollte ihn zum Stinken bringen“, meint sie im Wiener Landl.
„Es war ein extrem unangenehmer Geruch – wie Erbrochenes“, erinnert sich der Arzt im Zeugenstand an den 3. Dezember zurück. Eine Stammpatientin betrat das Behandlungszimmer im Hanusch-Krankenhaus. Es war eine ganz normale Kontrolluntersuchung. Die 32-Jährige leidet seit Jahren an Morbus Crohn – einer chronischen Entzündung des Verdauungstraktes. „Die letzten Termine mit ihr waren schon ungewöhnlich“, so der Mediziner.
Patientin erhielt sogar Sonderbehandlung
Immer wieder sagte sie: „Ich möchte ernst genommen werden!“ Dabei erklärt der 40-Jährige dem Richter im Wiener Landesgericht, dass sich sein ganzes Team stets um die junge Frau bemüht hätte: „Wir haben mehr für sie getan als ganze Ambulanz als für andere Patientinnen.“ Von ihr kamen an jenem Tag lediglich aggressive, schnippische Antworten.
Da hab' ich realisiert, das ist Säure!
Verletzter Arzt im Wiener Landl
Als die Kontrolle zu Ende war: „Ich hab' gesehen, wie sie einen Kanister auf den Tisch stellte und ihn aufschraubte. Ich hab' mir nicht viel dabei gedacht“, so der Arzt. Plötzlich schüttete die 32-Jährige ihm eine klare, übel riechende Flüssigkeit ins Gesicht. „Da hab' ich realisiert, das ist Säure!“, berichtete der Mediziner von dem Schockerlebnis. „Ich dachte, ich werde blind. Und wenn ich nicht blind werde, bin ich entstellt. Wer weiß, wie verätzt ich im Rachen bin“, lässt er seine damaligen Gedanken Revue passieren.
„Wollte Arzt zum Stinken bringen“
Herr Rat konfrontiert die Angeklagte: „Das verursacht schwere Verletzungen der Haut und Augenschäden. Das steht da ganz groß drauf.“ Und zeigt ihr ein Bild des Kanisters, mit dem sie einfach ins Hanusch-Krankenhaus marschierte. Wie sie an die Buttersäure gekommen ist, bleibt offen. „Seit meiner Diagnose habe ich viele Ängste, Sorgen und Bedenken“, erklärt die zierliche 32-Jährige. Und die habe sie auf ihren Arzt projiziert. „Ich war eingenommen von der Idee, ihn zum Stinken zu bringen. Ich hab‘ die Buttersäure unterschätzt.“
Meine Mandantin bereut sehr, was im Krankenhaus passiert ist.

Verteidiger Noah McElheney
Bild: Kanzlei MPW Rechtsanwälte
Glücklicherweise entstanden bei dem 40-Jährigen keine bleibenden Schäden, er wurde sofort auf der Augenambulanz behandelt. Auch zwei Pfleger und ein Medizinstudent hatten nur leichte Folgen. „Sie bereut sehr, was im Krankenhaus passiert ist“, sagt ihr Verteidiger Noah McElheney. Bei seiner Mandantin habe sich eine extreme Frustration wegen ihrer Erkrankung entwickelt. Das, gepaart mit einer diagnostizierten Soziophobie, hätte sie zu dieser Wahnsinnstat getrieben.
Seitdem befindet sich die Wienerin in psychologischer Behandlung. Das Gutachten kommt zum Schluss, dass die Voraussetzungen für eine Unterbringung wegen Gefährlichkeit „noch nicht“ erfüllt sind. Dennoch: „Das ist eine massive Tat, bei der mehrere Opfer zu Schaden gekommen sind“, begründet der Richter das Urteil von zwei Jahren bedingter Haft. Dem verletzten Arzt muss sie außerdem 1800 Euro zahlen. Dem Hanusch-Krankenhaus 13.566 Euro – der gesamte Behandlungsraum musste erneuert werden.
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