Wie bedenklich ist das Mittel Spirotetramat? Das Land Burgenland will, dass es nicht mehr auf den Feldern ausgebracht wird. Bei den Landwirten sorgt das für Empörung, sie bangen um ihre Existenz.
Spirotetramat ist ein im Pflanzenschutzmittel Movento 100 SC enthaltener Wirkstoff, der beispielsweise bei Beeren, Paradeisern oder auch Zierpflanzen zum Einsatz kommt. Bis 2024 war er in der EU zugelassen, danach lief die Genehmigung aus, die Aufbrauchfrist ging bis Ende 2025. Genau zu diesem Zeitpunkt hat die Landwirtschaftskammer Österreich auch eine Notfallzulassung des Mittels beantragt.
„Kein Notfall“
Das Burgenland hat diesen Antrag nach gründlicher Prüfung nun abgelehnt. Die Voraussetzungen für einen echten Notfall liegen nicht vor, teilt Landeshauptmann-Stellvertreterin und Landesrätin für Landwirtschaft und Naturschutz, Anja Haider-Wallner (Grüne), mit. Darüber hinaus würden für den Anwendungsbereich zugelassene Alternativen zur Verfügung stehen.
Bedenken gegen Wirkstoff
Spirotetramat gilt als gefährlich für Wasserorganismen sowie Bestäuberinsekten, der Wirkstoff soll auch mögliche Auswirkungen auf die menschliche Fortpflanzung haben. „Notfallzulassungen sind als absolute Ausnahme gedacht – nicht als Mittel, um problematische Wirkstoffe weiterhin und wiederholt einzusetzen“, sagt Haider-Wallner.
Zu viele „Notfälle“
Genau das passiere aber leider zu oft. Bereits 2024 habe der Rechnungshof kritisiert, dass die Zahl der vom Bundesamt für Ernährungssicherheit (BAES) erteilten Notfallzulassungen für Pestizide in Österreich deutlich gestiegen ist. Teilweise werden die Mittel mehrere Jahre hintereinander „notzugelassen“. „Der Prüfbericht zeigt, dass Notfallzulassungen in der Vergangenheit oft erteilt wurden, ohne die wirtschaftlichen Interessen ausreichend gegen Umwelt- und Gesundheitsschutz abzuwägen“, so die Landeshauptmann-Stellvertreterin. Ihr Ziel sei jedoch eine Landwirtschaft, die langfristig funktioniert – ökologisch, wirtschaftlich und im Einklang mit Mensch und Natur.
Landwirte kritisieren „isolierten Sonderweg“
Bei der Landwirtschaftskammer reagiert man hingegen verärgert über die Entscheidung des Landes. Während in allen anderen Bundesländern eine Notfallzulassung befürwortet werde, gehe das Burgenland einen isolierten Sonderweg, heißt es. „Es gibt schlichtweg keinen anderen Wirkstoff, der dieselbe gezielte Wirkung erzielt. Die vorhandenen Mittel sind entweder weniger effektiv oder haben breitere Auswirkungen – teilweise sogar stärker als der nun abgelehnte Wirkstoff“, so der Obmann-Stellvertreter des Gemüsebauverbandes, Lukas Scheiblhofer.
Kein leichtfertiger Umgang
Zudem würden Pflanzenschutzmittel nicht leichtfertig eingesetzt werden, ergänzt der Präsident des Obstbauverbandes, Johann Plemenschits: „Wenn uns diese Möglichkeit genommen wird, gefährdet das die Versorgungssicherheit und die wirtschaftliche Existenz unserer Betriebe.“
Ob das Veto aus dem Burgenland etwas bewirkt, ist offen. Letztlich entscheidet das BAES.
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