Drogenabhängiger bezichtigt damals Schwangere der Dealerei – die Südburgenländerin soll ihn mit Kokain versorgt haben. Man wittert einen Racheakt, weil die Frau den Zeugen bei der Polizei angezeigt hatte.
Neben der jungen Mutter steht ein Buggy, in dem ein wenige Monate alter Säugling schläft. Was den Prozess am Landesgericht Eisenstadt betrifft, scheint die Angeklagte wie die Jungfrau zum Kind gekommen zu sein. Die Südburgenländerin war bei den Behörden als Drogenhändlerin verpfiffen worden. „Eine reine Retourkutsche“, sagt Anwalt Jochen Serenyi. „Weil sie einen amtsbekannten Dealer angezeigt hat und bei dem dann eine Hausdurchsuchung stattfand.“
Sechs Einkäufe und ein „glitzernder Kokainstein“
Dieser Mann ist dem vierten Ruf zur Hauptverhandlung endlich gefolgt – Post kann ihm nicht zugestellt werden, er ist jetzt obdachlos. Der 30-Jährige wirkt fahrig. „Ich bin seit einem halben Leben abhängig, auch von den argen Sachen“, sagt er im Zeugenstand, ehe zum Rundumschlag angesetzt wird. Die Frau – sie war damals schwanger – habe ihm Anfang 2025 sechsmal je ein Gramm Kokain verkauft. „Mehr kann ich mir mit dem AMS-Geld nicht leisten.“
Die Polizisten haben alles auseinandergenommen und sogar Tiefkühlgebäck eingepackt, weil ihnen das Salz darauf verdächtig vorkam.
Der Zeuge berichtet über die Hausdurchsuchung bei ihm daheim
Die Übergabe sei durchs Autofenster oder bei ihr daheim erfolgt. „Beste Qualität!“ Sie habe einen „glitzernden Kokainstein“ besessen, 150 Gramm schwer, mit einem Durchmesser von vier Zentimetern. „Davon hat sie den Stoff abgeschabt.“ Die Deals hätten reibungslos funktioniert. „Bis die Polizisten bei mir daheim standen. 14 Mann hoch! Sie haben alles auseinandergenommen und sogar Tiefkühlgebäck eingepackt, weil ihnen das Salz darauf verdächtig vorkam.“
„Der Zeuge ist nicht Herr seiner Sinne“
In trauter Synchronität schütteln Angeklagte und Anwalt die Köpfe. Sie sagt: „Stimmt nicht.“ Er führt aus: „Der Zeuge ist nicht glaubwürdig, nicht Herr seiner Sinne. Dieser Kokainstein hätte einen Wert von 15.000 Euro. Das hätte sie sich als Sozialhilfeempfängerin nie leisten können.“
Die Frau wird freigesprochen. Auf den Zeugen wartet ein offenes Verfahren wegen anderer Delikte. „Schickt’s mich doch für den Rest meines Lebens ins Gefängnis!“, sagt er. „Das passt schon.“
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