Innenpolitik-Redakteurin, „ZiB“-Moderatorin, zuletzt Radiodirektorin: Ingrid Thurnher (63) ließ in ihrer 40-jährigen Karriere im ORF kaum eine Station aus. Nun wird sie nach dem Rücktritt von Roland Weißmann interimistisch auch an die Spitze des größten Medienkonzerns Österreichs treten.
Im Alter von neun Jahren zog die 1962 in Vorarlberg geborene Ingrid Thurnher mit ihren Eltern nach Wien. Dort besuchte sie das Franz-Schubert-Konservatorium und dockte nach einem erfolgreich absolvierten Sprechertest 1985 beim ORF als TV-Ansagerin an. Bald wechselte sie als Redakteurin und Moderatorin für fünf Jahre ins niederösterreichische Landesstudio. Anschließend kehrte sie in die Bundeshauptstadt zurück, um sich als Innenpolitikredakteurin beim Hörfunk zu betätigen.
Legendäres Interview mit Otto Waalkes
1995 kam Thurnher zur „ZiB 2“, wo sie zwölf Jahre lang bleiben, aber bereits 1997 ein legendäres Interview mit dem deutschen Comedian Otto Waalkes führen sollte. „Guten Abend, Frau Turnschuh“, begrüßte sie der Ostfriese, ließ sie kaum zu Wort kommen, umarmte sie und versteckte sich abschließend unter dem Tisch. Obwohl es eine „ernst zu nehmende politische Sendung“ sei, wie sie mehrfach betonte, musste Thurnher lachen. Und der anarchische Fernsehmoment begleitet sie weiterhin: Kaum jemand, der sie nicht darauf anspricht, erklärte sie einmal.
Ingrid Thurnhers legendäres Interview mit dem Komiker Otto Waalkes:
Beim Publikum äußerst beliebt
Nach einem kurzen Intermezzo in den Nullerjahren bei der „ZiB 1“ übernahm sie von 2008 bis 2016 die Hauptmoderation der ORF-Diskussionssendungen „Im Zentrum“ und „Runder Tisch“. Darüber hinaus moderierte sie auch im Vorfeld der Nationalratswahlen 2006, 2008 und 2013 die Wahlduelle der Spitzenkandidaten, von 2009 bis 2011 präsentierte sie die „Sommergespräche“. Geschätzt wurde ihre Arbeit auch vom TV-Publikum. So staubte Thurnher im Laufe ihrer Karriere siebenfach den Film- und Fernsehpreis „Romy“ in der Kategorie „Beliebteste Moderatorin“ ab.
Aufstieg zur Chefredakteurin von ORF III
2017 wechselte sie zum Info- und Kulturspartensender ORF III, wo sie die Chefredaktion übernahm, aber auch als Moderatorin von Diskussionsformaten wie „Politik live“ auftrat. Im Sender war sie maßgeblich am Ausbau des Informationsangebots beteiligt. Mit Anfang 2022 holte der frischbestellte ORF-Generaldirektor Roland Weißmann Thurnher nach Jahrzehnten im Fernsehen überraschend als Radiodirektorin in sein Team. „Ich bin nicht von der Fernsehmacherin zur Radiomacherin geworden, sondern von einer Journalistin zum Teil des Managements“, meinte sie dazu.
Als Managerin verantwortete sie die Übersiedlung von Ö1 und Ö3 auf den Küniglberg in den neu gebauten Medien-Campus und begleitet die Einführung eines neuen ORF-„Sound“-Moduls, das sämtliche Audioangebote des ORF bündelt. Nach dem Rücktritt des ORF-NÖ-Landesstudiodirektors Robert Ziegler im Jahr 2023 übernahm sie dessen Funktion interimistisch. Nun ist sie bis zur Wahl der neuen ORF-Generaldirektion im Sommer ganz oben angelangt.
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