18.02.2022 14:20 |

Heftige Kritik

Trotz langer Wartelisten: „Covid-Spital“ sperrt zu

200.000 Menschen kämpfen laut Experten aktuell in Österreich mit Long-Covid. Dass ungeachtet dessen das LKH Hörgas als eine der wenigen Anlaufstellen für Betroffene in der Steiermark nun zusperren soll, sorgt für eine Welle der Empörung. Land und KAGes argumentieren mit rückläufigen Patientenzahlen.

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Als es mit der Versorgung von Corona-Patienten in steirischen Spitälern eng wurde, nahm man das frühere Krankenhaus in Hörgas im Norden von Graz wieder in Betrieb. Das war im November 2020. „Das Haus ist top ausgestattet“, schwärmte damals Leiter Florian Iberer. Der frühere Professor an der Grazer Medizin-Universität und Leiter der Transplantationschirurgie am LKH Graz hatte aus gegebenem Anlass seinen Ruhestand kurzerhand unterbrochen.

Am 31. März wird zugesperrt
Obwohl die Wartelisten für Long-Covid-Patienten lang sind, will man das Haus nun sperren. Schon am 31. März ist Schluss: „Das Problem ist, dass die Betroffenen nicht im Gesundheitssystem abgebildet werden und einfach keine Lobby haben. Mit diesen Patienten kann man nichts verdienen“, spart Iberer am Freitag im Gespräch mit der „Krone“ nicht mit Kritik.

Zitat Icon

Ich habe in meiner gesamten Karriere nicht derart leidende Patienten gesehen

Dr. Florian Iberer

„Noch weit weg von Normalbetrieb“
Die Verantwortlichen argumentieren, dass es für die Betroffenen genügend Kapapzitäten in Reha-Zentren gebe und die Patienten-Zahlen generell seit der Omikron-Variante sinken. „Fragt man aktuell im LKH West nach, heißt es, dass nach wie vor normale Operationen hintanstehen“, kann Iberer die Begründung nicht so ganz nachvollziehen.

Kritik von den Grünen und FPÖ
Als „gesundheitspolitischen Irrsinn“ bezeichnet die Grüne Klubobfrau Sandra Krautwaschl den am Freitag bei einer Betriebsversammlung publik gewordenen Beschluss: „Das ist eine unglaubliche Fehlentscheidung. Insbesondere wenn man sich die jetzt schon vorhandenen Probleme in der Steiermark ansieht, Platz für die Long-Covid- und Post-Corona-Patienten zu finden.“

Auch die Blauen sind zornig: „Die bereits vor Jahren getroffene Entscheidung der Schließung war der grundlegende Fehler und zeigt die irregeleitete Gesundheitspolitik von SPÖ und ÖVP“, so der aus dem Bezirk Graz-Umgebung stammende FPÖ-Abgeordnete Stefan Hermann. Die neuerliche Schließung von Hörgas werde man mittels schriftlicher Anfrage kritisch hinterfragen.

Gemeindevorsteher enttäuscht
In der Standortgemeinde Gratwein-Straßengel ärgert man sich darüber hinaus über die Art und Weise des Vorgehens: „Es gab keine Gespräche im Vorfeld. Für uns ist das so nicht tragbar“, so Bürgermeister Harald Mulle und Vizebürgermeisterin Johanna Tentschert unisono. Geschlossen kündigt man an, mit der zuständigen Landerätin Juliane Bogner-Strauß Kontakt aufnehmen zu wollen.

Florian Iberer geht mit der zuständigen ÖVP-Politikerin hart ins Gericht: „Die Frau Landesrätin hat offenbar noch nie gesehen, wie schlimm ein Post-Covid-Patient leidet. Wieso das Haus erst vor zwei Wochen sanitätspolizeilich genehmigt wurde, ist auch nicht ganz schlüssig.“

Bis zu 20 Betten waren bislang im LKH Hörgas belegt. Mehr Patienten konnte man aufgrund des Personalmangels nicht aufnehmen. „Dabei haben wir lange Wartelisten von Patienten aus ganz Österreich“, bedauert Iberer. Und er ergänzt: „Das Schlimmste wird jetzt in den nächsten Tagen sein, die Patienten durchzurufen und ihnen abzusagen.“

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