Lebt im Exil

Spanien diskutiert Rückkehr von Juan Carlos

Royals
28.02.2026 09:45
Porträt von krone.at
Von krone.at

Neues hat die jüngste Freigabe von Geheimakten zum versuchten Staatstreich franquistischer Militärs 1981 in Spanien nicht hervorgebracht. Sie hat aber eine politische Diskussion darüber entfacht, ob Alt-König Juan Carlos I. in seine Heimat zurückkommen dürfe.

Spaniens konservativer Oppositionsführer Alberto Núñez Feijoo (PP) stellte klar, die geheimen Unterlagen hätten eindeutig die wichtige Rolle untermauert, die der ehemalige Monarch bei der Verteidigung der damals noch jungen Demokratie und der Niederschlagung des Staatsstreichversuchs spielte.

Politische Bilanz „außerordentlich positiv“
Natürlich habe Juan Carlos I. in der Vergangenheit viele Fehler begangen, erklärte Oppositionsführer Feijoo speziell in Anspielung an die zahlreichen Finanz- und Steuerhinterziehungsskandale des spanischen Altkönigs. Seine politische Bilanz falle nach den neuen Erkenntnissen über seinen Einsatz bei der Verteidigung der Demokratie aber „außerordentlich positiv“ aus. „Dank ihm ist es seit 45 Jahren nicht mehr vorgekommen, dass jemand mit einer Waffe diesen Kongress betreten hat“, erklärte Feijoo laut spanischen Zeitungsberichten am Donnerstagabend beim Verlassen des Parlaments.

  Rund fünf Jahre nach dem Tod von Langzeit-Diktator Francisco Franco versuchten Franco-treue Militärs am 23. Februar 1981 erneut eine Militärdiktatur einzusetzen. Neben dem spanischen Staatsfernsehen besetzte unter anderem eine paramilitärische Polizeieinheit der Guardia Civil unter Führung von Oberstleutnant Antonio Tejero das Parlament, wo gerade ein neuer Regierungschef gewählt werden sollte. Über 18 Stunden wurden die Abgeordneten als Geiseln gehalten.

König grub Francisten das Wasser ab
Es war damals der noch junge und von Diktator Franco selber eingesetzte König Juan Carlos I., der sich in einer nächtlichen Fernsehansprache für die Einhaltung der verfassungsmäßigen Ordnung – sprich der Demokratie – einsetzte und damit den Militärputschisten den Wind aus den Segeln nahm.

Juan Carlos bei seiner Fernsehansprache im Zarzuela Palast am 23. Februar 1981
Juan Carlos bei seiner Fernsehansprache im Zarzuela Palast am 23. Februar 1981(Bild: AFP/HANDOUT)

In der Vergangenheit und vor allem im Zuge der zahlreichen privaten Skandale rund um Juan Carlos wurden jedoch immer häufiger Verschwörungstheorien bekannt, die sogar davon ausgingen, dass Juan Carlos anfangs mit den Putschisten unter einer Decke steckte oder deren politischen Ziele zumindest unterstützte.

Juan Carlos fast selbst zum Opfer geworden
Wie die vor wenigen Tagen nun erstmals öffentlich zugänglich gemachten Dokumente beweisen, war dies aber nicht der Fall. Die enthaltenen Details der Umsturzplanungen zeigen sogar, wie Juan Carlos hinter den Kulissen die Fäden zog, um die putschenden Militärs zur Aufgabe zu bewegen. Mehr noch: Wie aus den Transkriptionen über die Kommunikation zwischen den beteiligten Militärs, Polizisten und Geheimdienstagenten deutlich wird, wäre der Monarch fast selbst zum Opfer geworden.

Einer der Putschisten äußerte die Meinung, König Juan Carlos werde seinen „selbstmörderischen Versuch, eine Regierung mit den Sozialisten zu bilden, fortsetzen und kann daher nicht als respektables Symbol gelten“. Aus diesem Grund schlussfolgert er, der Monarch sei ein Ziel, „das besiegt und neutralisiert werden muss“.

Fehlverhalten kann nicht „ungeschehen“ gemacht werden
Die sozialistische Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez (PSOE) zeigt sich der Forderung der Konservativen nach einer möglichen Rückkehr von Juan Carlos I. gegenüber offen, verweist aber darauf, dass hier das spanische Königshaus beziehungsweise Felipe VI. das letzte Wort haben. Präsidialminister Félix Bolaños stellte zudem klar, es sei ausschließlich eine „persönliche Entscheidung“ des ehemaligen Königs. Er wies jedoch darauf hin, dass sein früheres Fehlverhalten nicht durch die Veröffentlichung historischer Dokumente „ungeschehen“ gemacht werden könne.

  Neben den Konservativen befürworten auch die Rechtspopulisten von Vox die Rückkehr des Ex-Monarchen, der ein Symbol und Opfer der „linken Geschichtsumdeutung“ sei. Die linken Parteien Sumar, Koalitionspartner von Regierungschef Sánchez, und Podemos sind strikt gegen die Rückkehr des ehemaligen „Skandal-Königs“. Gabriel Rufián, Sprecher der links-separatistischen katalanischen Partei ERC, erklärte in Bezug auf Juan Carlos‘ mögliche Rückkehr: „Verbrecher bleiben besser draußen.“

Juan Carlos lebt seit 2020 im Exil in Abu Dhabi.
Juan Carlos lebt seit 2020 im Exil in Abu Dhabi.(Bild: AFP/PATRICIA DE MELO MOREIRA)

Mit Affären guter Ruf kaputt gemacht
Nach einer Reihe von Finanz- und Liebesaffären dankte Juan Carlos I. bereits 2014 als König ab. Danach wurden aber zahlreiche weitere Korruptions- und Steuerhinterziehungsskandale bekannt – unter anderem ein Schwarzgeldkonto mit über 100 Millionen Euro in der Schweiz. Das Finanzamt und die Staatsanwaltschaft nahmen Ermittlungen auf. Daraufhin verließ Juan Carlos 2020 in einer Nacht-und-Nebelaktion Spanien und ging nach Abu Dhabi angeblich freiwillig ins Exil. „Es war aber Felipe, der seinen Vater ins Exil zwang, damit der Imageschaden für die Krone nicht noch größer werden konnte“, versichert die bekannte spanische Monarchie-Expertin Pilar Eyre im APA-Gespräch.

  Der mittlerweile 88-jährige Juan Carlos, der seitdem Gast des Scheichs von Abu Dhabi ist, hatte in den vergangenen Jahren seine Steuerschuld mit dem spanischen Finanzamt beglichen und mehrmals seinen Wunsch geäußert, in seine Heimat zurückkehren zu wollen, deren Staatsoberhaupt er fast 40 Jahre war.

Palast gibt grünes Licht für Rückkehr
Aus dem Palast hieß es am Freitag: Juan Carlos könne jederzeit nach Spanien zurückkehren. „Um sein Image und seinen Ruf vor Spekulationen und potenzieller Kritik zu schützen und somit auch das Ansehen der Krone als Institution zu wahren, sollte Juan Carlos in jedem Fall seinen steuerlichen Wohnsitz in Spanien wieder aufnehmen.“ Ob sich König Felipe und Königin Letizia jedoch wirklich auf eine mögliche Rückkehr von Juan Carlos freuen, ist zu bezweifeln, meint Palast-Insiderin Pilar Eyre.

Kaum verwunderlich: In seiner Ende 2025 erschienenen Autobiografie „Versöhnung“ teilte Juan Carlos noch gut gegen seine Familie aus. Er lobte nicht nur Diktator Franco, dessen „Intelligenz und politischen Instinkt“ er schätze. Die Veröffentlichung fand kurz vor dem 50. Todestag Francos statt. Zu den Festakten im Parlament, die den Tod des Diktators als Beginn der Demokratie feierten, war Juan Carlos als damaliger Protagonist jedoch nicht eingeladen. Deswegen fühlte er sich „gedemütigt“ und bezeichnete auch das Verhalten seines Sohnes König Felipe VI. mehr als „unsensibel“.

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