In Bludenz hat vor Kurzem Vorarlbergs erstes Generationen-Café eröffnet. Im „Ahna & Ähne“ backen Pensionistinnen und Pensionisten. Einzige Voraussetzung: Liebe zu Naschkatzen.
Die Projektidee ist nicht neu, doch in Vorarlberg wurde sie bisher nicht umgesetzt: Um Altersarmut und Einsamkeit vorzubeugen, greifen ältere Menschen in ihre Rezeptlade, backen gemeinsam Torten und Kuchen und servieren die Extraportion Kalorien im eigenen Lokal: Das geschieht nun im Café Fritz in Bludenz – jeden Samstag und Sonntag. Scheinbar wurde schon längst auf genau diese Initiative gewartet, denn der Ansturm war von Tag eins an riesengroß, die Ware nach wenigen Stunden ausverkauft, die Vitrinen leer, die Kaffeemaschinen gehörig unter Druck, das Servicepersonal glücklich, die Gäste sowieso.
Angestoßen hat all das Markus Amann, Kommunikationsexperte aus Koblach, der sich ehrenamtlich in Sachen „Ahna & Ähne“ engagiert. Mit Wolfgang Sila, Geschäftsführer der Brauerei Fohrenburg in Bludenz, hat er einen Verein gegründet, im Kernteam wirken rund ein Dutzend Personen, die Mitgliederzahl liegt aber bereits bei knapp 70 – Tendenz steigend. „Die Nachfrage ist groß, immer mehr Menschen kommen auf uns zu und wollen mitmachen.“
Knethaken als sozialer Anker
Das Konzept scheint zu funktionieren: Wer Kuchen bäckt und im Café bedient, wird bezahlt, das kann bei einer knapp bemessenen Pension ein willkommenes Zubrot sein. Zudem bieten die Backtage Gelegenheit zum Austausch, der Knethaken der Rührmaschine wird zum sozialen Anker. Apropos Knethaken: Mit dem Café Fritz hatte „Ahna & Ähne“ wirklich Glück, denn das leerstehende Lokal war noch komplett eingerichtet, zudem ist im Stock darüber die Backstube untergebracht: Genug Platz für ein ganzes Team an Bäckern und Bäckerinnen – jede Menge Profi-Equipment gab es obendrauf. An einem Backtag geht es dort ziemlich geschäftig zu: In der einen Ecke wird Baisermasse aufgeschlagen, in der anderen Marillenmarmelade zum Aufstreichen angewärmt, und im Ofen liegen schon drei Tortenböden, die den Duft von Haselnüssen und Kakao verströmen. Motivation ist das Stichwort der Stunde. Die Damen – ein pensionierter Patissier fällt gerade an diesem Tag aus – haben sichtlich Freude an der Arbeit. Und während die einen offenherzig beschreiben, wie sie ihre Kuchen backen, neigen andere den Kopf zur Seite und flüstern etwas von einer Geheimzutat ...
Wer selbst mal einen Kuchen für Ahna & Ähne in den Ofen schieben will, meldet sich am besten unter: backenwirsan@ahna-aehne.at
Den Gästen schmeckt es jedenfalls, auf Porzellan mit Goldrand und Blumenmuster wandern Mini-Schaumrollen, Apfelstrudel (nach Wahl mit und ohne Rosinen) und Tiramisuschnitten von der Kuchentheke an die Marmortische im Café Fritz, das mit echtem Kaffeehaus-Flair lockt. Statt Radio-Geplapper sorgen das Zischen der Kaffeemaschine und Geschirrgeklimper für den Soundtrack. Hier darf in Ruhe Zeitung gelesen werden, zudem haben auch Hunde Zutritt.
Anfragen aus den Gemeinden häufen sich
Nicht nur Kaffee und Kuchen lösen Begeisterung aus, das Konzept macht viele neugierig. Das merken die Vereinsverantwortlichen auch auf andere Art und Weise. „Die Anfragen aus den Gemeinden häufen sich, jeder will ‘Ahna & Ähne‘ haben“, erzählen Amann und Sila. Allerdings heißt das nicht, dass es auch immer auf Anhieb mit der Umsetzung klappt. Denn die angebotenen Locations sind oft mangelhaft, heillos veraltet oder alles andere als barrierefrei. Doch die Gespräche sind am Laufen, Amann und Sila hoffen, dass sie bald ein weiteres Café, vermutlich im Unterland, eröffnen können. Auch dort soll es dann wieder heißen: Oma bitte backen!
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