Seit mehr als 25 Jahren schon begleitet Elisabeth Rabeder (61) Menschen auf ihrem Weg zu mehr Gesundheit, Klarheit und Lebensfreude. Die Betriebsleiterin des Curhauses Bad Mühllacken macht das mit Herz, Erfahrung und den Säulen der Traditionellen Europäischen Medizin. Zum Thema Fasten hat Rabeder bereits drei Bücher verfasst, gilt als Koryphäe. Sie erklärt, was zu beachten ist und welchen Sinn das Fasten hat.
„Krone“: Vergangene Woche startete die christliche Fastenzeit. Seither hört man wieder von vielen Menschen, dass sie fasten. Erstaunlicherweise sind auch etliche darunter, die gar nicht religiös sind. Warum machen sie das ausgerechnet jetzt? Immerhin hört man ja von Atheisten nie, dass sie während des islamischen Ramadan fasten wollen. Was glauben Sie, sind die Gründe?Elisabeth Rabeder: Da spielt mehr zusammen. Zum einen vermitteln Traditionen und Rituale den Menschen Sicherheit. Zum anderen spielt die christliche Fastenzeit immer schon mit der Jahresdynamik zusammen. Wir haben noch die Schwere des Winters in uns, doch die Natur bricht nun sukzessive auf. Da verspürt der Mensch das Bedürfnis, quasi rauszukommen aus der Höhle und die Serie an Genusszeiten mit Weihnachtsvöllerei, Silvesterbrunch und Faschingskrapfen bewusst zu unterbrechen. Die Menschen verspüren den Drang zu einem Neustart für Geist und Körper. Sie möchten Altlasten loswerden, erleben den Frühling als Reinigungszeit.
Der Stoffwechsel kriegt beim Fasten einen Kick. Bewegung ist dabei ein essenzieller Bestandteil und tut dem Prozess gut.
Elisabeth Rabeder
Nicht wenige Säkulare beginnen ihr Fasten aber genau an einem der wichtigsten christlichen Fastentage, dem Aschermittwoch. Warum?
Das hängt vielleicht damit zusammen, dass auch nicht religiöse Menschen noch in sich tragen, was Generationen vor uns als heilsam erlebten. Der Mensch ist außerdem ein soziales Wesen – wenn Fasten kollektiv erlebt wird, unterstützt diese Gemeinschaft, egal ob wir religiös sind oder nicht.
Warum sollte man eigentlich fasten bzw. ist es ratsam?
Fasten macht frei. Da ist zunächst der gesundheitliche Aspekt, denn es bewirkt ganz viel Positives im Organismus, wenn man einmal aus der Genussspirale herauskommt. Der temporäre Verzicht auf Alkohol, Kaffee, Zucker und generell säurebildende Lebensmittel sowie die vermehrte Aufnahme von Wasser regen die Autophagie – den Reparaturmechanismus im Körper – an. Ab der 16. Stunde Nahrungsverzicht fressen gesunde Zellen die schadhaften auf. Fasten entlastet den Darm, das Herz-Kreislauf-System und wirkt sich günstig auf Blutfette, Blutzucker und Entzündungen aus. Das kann dazu führen, dass Rheumatiker sich wieder schmerzfrei bewegen. Man kann auch Allergien in den Griff bekommen.
Und die Gewichtsreduktion?
Die ist ein angenehmer Nebeneffekt, der unter anderem die Gelenke entlastet. Auf körperlicher Ebene hat Fasten insgesamt einen riesigen Mehrwert. Der Körper lässt los, was ihn belastet und verfällt in einen Reparatur- und Reinigungsprozess.
Was bewirkt das Fasten auf mentaler Ebene?
Auch der Geist kann zur Ruhe kommen. Durch Verzicht kriegt er mehr Freiraum und Klarheit. Auch die Seele kann endlich wieder durchatmen. Das hat meist auch positive Auswirkungen auf die Schlafqualität.
Elisabeth Rabeder ist Gesundheitsexpertin, Fastenbegleiterin sowie auch Lebensberaterin mit Schwerpunkt Logotherapie und Existenzanalyse nach Viktor Frankl. Seit 27 Jahren arbeitet sie im Curhaus Bad Mühllacken, ist dort Betriebsleiterin. Die 61-Jährige lebt in einer Beziehung, hat zwei Söhne und zwei Enkelkinder. Sie ist außerdem Autorin von drei einschlägigen Büchern: „Fasten für ein neues Lebensgefühl“, „Fasten und los geht’s“, „Fasten:Reset. Deine Energie-Kur für zuhause“.
Wer sollte fasten bzw. für wen ist das weniger geeignet?
Schwangere, Stillende, Menschen mit Essstörungen sowie Kinder und Jugendliche sollten keinesfalls fasten. Wer eine psychiatrische Störung hat oder schwere Medikamente einnimmt, sollte das nur nach ärztlicher Freigabe tun.
Welche unangenehmen Begleiterscheinungen sind beim Ernährungsfasten denkbar?
Während der Umstellphase, in den ersten beiden Tagen, kann ein sogenanntes Fastenfrösteln auftreten. Auch Entzugskopfschmerzen, Müdigkeit und eine Instabilität des Kreislaufs als Folge eines sinkenden Blutdrucks sind möglich. Denkbar ist auch, dass man plötzlich seine alten Knochenbrüche oder Operationsnarben wieder spürt. Auch vermehrtes Schwitzen, Hautirritationen, eine belegte Zunge oder merkbarer Mundgeruch sind Symptome, die in der Reinigungsphase während der Fettverbrennung durchaus vorkommen können.
Bei einer Fastenkur kann es in den ersten Tagen während der Umstellphase zu Begleiterscheinungen kommen.
Fastenexpertin Elisabeth Rabeder
Und auf psychologischer Ebene?
Es treten vermehrt Träume auf – das Unterbewusstsein reinigt auch. Dabei kommen Dinge hoch, die im Alltag zugedeckt werden. Stimmungsschwankungen gehören ebenfalls dazu.
Wie lange soll man fasten?
Jeder Tag mehr ist ein Gewinn. Es kommt aber auf die Methode an, die man wählt. Beim Intervallfasten beispielsweise ist wichtig, 16 Stunden lang nichts zu essen. In meinem aktuellen Buch beschreibe ich eine 21-Tage-Reinigungskur mit je drei 7-Tage-Blöcken zu den Phasen Einstimmung, Fastenzeit und Aufbau. Denn genau so lange braucht es, um alte Muster zu durchbrechen und neue Gewohnheiten zu verankern. Jeder Tag birgt die Chance, sein Gehirn umzuprogrammieren.
Und wie oft im Jahr?
Eine Vollfastenzeit einmal jährlich ist eine tolle Gesundheitsvorsorge. Basenfasten hingegen kann man durchaus auch mehrmals nach Völlereien einbauen.
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